Preiserhöhungen
Der Mittelstand in den Fängen des Rohstoffmarktes

Die Süßwarenbranche sitzt in der Zuckerfalle. Auch in anderen Branchen beuteln die steigenden Rohstoffpreise die Unternehmen. Der Ausweg: Ein professioneller Materialeinkauf und eine Waffe gegen Preisschwankungen.
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DüsseldorfZucker hat für Hermann Bühlbecker derzeit einen bitteren Geschmack. Der Alleininhaber der Lambertz-Gruppe leidet wie andere Gebäckhersteller unter dem hohen Zuckerpreis. Steigerungen von bis zu 60 Prozent setzen der Branche zu. „Die Lebensmittelindustrie befindet sich in einer schwierigen Situation“, sagt Bühlbecker. Bei einigen Rohstoffen könne man sich nicht langfristig eindecken oder nur zu überhöhten Preisen.

Die Süßwarenindustrie aber hat sich mit längerfristigen Verträgen mit dem Handel gebunden; die eklatanten Rohstoffpreiserhöhungen könnten daher kurzfristig gar nicht oder nur mittelfristig in begrenztem Umfang weitergeben werden. „Dies wird über kurz oder lang zu existentiellen Problemen bei einer Vielzahl mittelständischer Unternehmen führen“, warnt Bühlbecker. Die Branche sitzt in der Rohstofffalle.

Steigende Rohstoffpreise beuteln Unternehmen in allen Branchen. Denn trotz krisenbedingter Rückschläge kosten die meisten Rohstoffe heute deutlich mehr als vor zehn Jahren. Und: Sie schwanken in einem nie zuvor gesehenen Ausmaß. Ein Ende ist nicht in Sicht. Viele mittelständische Unternehmen haben zudem erheblichen Nachholbedarf bei der Absicherung der Risiken.

Der vielbeachtete CRB–Rohstoffindex hat sich binnen eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei mehr als 300 Punkten. Auf dem Höhepunkt des Rohstoffbooms 2008 hatte der Indexpreis sogar rund 460 Punkte erreicht. Davor hatten die Preise lange in sehr engen Grenzen auf niedrigem Niveau geschwankt. Viele mittelständische Firmen hatten Rohstoffe daher kaum in ihr Kalkül aufgenommen – und tun es bis heute nicht.

Viele glauben, dass sich nur große Gesellschaften absichern können, hat Lars Immerthal festgestellt. Für den Rohstoff- und Risikoexperten der Brainnet Supply Management Group, die sich auf Einkaufsberatung spezialisiert hat, ist Größe kein entscheidender Faktor: „Gegenüber den Rohstoffmärkten sind auch Großunternehmen nur kleine Fische“, sagt er. Professionelles Rohstoff-Management sei im Mittelstand genauso möglich.

Dennoch treffen die Veränderungen an den Märkten besonders kleinere Firmen. „Immer mehr der mittelständischen Unternehmen haben ein Problem mit volatilen und steigenden Preisen bei Rohstoffen“, sagt Frank-Oliver Wolf. Er leitet bei der Commerzbank den Geschäftsbereich Zins-, Anlage und Währungsmanagement. Schon für zwei Drittel der Firmen wirke sich die Verteuerung der Rohstoffe negativ auf die Geschäfte aus. „Der Mittelstand hat das Thema echt verschlafen“, meint Wolf.

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