Preisschlachten zehren den Mittelstand aus – Ladensterben befürchtet
Rabatte in sinnvollem Maße

Drei Jahre nachdem Rabattgesetz und Zugabeverordnung ersatzlos gestrichen wurden, hat der deutsche Einzelhandel viele schmerzvolle Erfahrungen gewonnen und ist um mehrere Milliarden Euro Umsatz und wohl auch um einiges an Rendite ärmer.

HB BERLIN. Schnäppchen, Niedrigpreisaktionen und dicke Prozentzeichen dominieren heute die Einzelhandelslandschaft. Die Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Strukturen des Einzelhandels – insbesondere des inhabergeführten Fachhandels – sind nicht absehbar.

Rabatte sind für viele Einzelhändler das Marketinginstrument Nummer eins, was nach der langjährigen Stagnationsphase verständlich ist. Der Kuchen wird kleiner, denn für viele Menschen ist der finanzielle Spielraum enger geworden. Flossen 1991 noch 42,5 % der privaten Konsumausgaben in den Handel, sind es heute noch knapp 30 %. Deshalb stehen Rabatte und Preisnachlässe hoch im Kurs.

Das veranlasst viele Einzelhändler, den gesetzlichen Freiraum voll auszunutzen und die Preisschraube kräftig nach unten zu drehen. In diesem Rabattwettlauf geht vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen die Puste aus. Denn ein Unternehmen mit einer Handelsspanne von 35 % muss schon bei einem Rabatt von 10 % vom entsprechenden Artikel die doppelte Menge umsetzen, um den Gewinn konstant zu halten. Rabatte von 50 und 70 % auf einzelne Artikel oder von 20 % auf das gesamte Sortiment rechnen sich bei keiner Handelsspanne mehr. Sie entbehren jeder betriebswirtschaftlichen Vernunft.

Viele gute, inhabergeführte mittelständische Facheinzelhändler, die ihre Ware keineswegs signifikant teurer verkaufen als die Filialsysteme, werden durch die Rabattschlachten ausgezehrt und zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Tiefe Einschnitte in die Handelslandschaft werden die Folge sein, mit einem Ladensterben wie in den 60er- und 70er-Jahren, als die Zahl des Selbstständigen z.B. im Lebensmittelhandel von 157 000 auf 62 000 (1980) sank – mit hohen Verlusten an Arbeitsplätzen, einer Leerstandsproblematik außerhalb der 1a-Lagen von riesigem Ausmaß und einer weiteren Verödung der Städte.

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