Privat platzierte Anleihen
Diskrete Deals mit ausländischen Investoren

Der Markt für privat platzierte Anleihen blüht im Verborgenen, wird aber zunehmend auch von deutschen mittelständischen Unternehmen entdeckt. Dabei werden Anleihen nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern gezielt an wenige Investoren verkauft. Für Firmen bietet das neben der Diskretion den Vorteil, dass sie sich Geld über zehn Jahre und mehr beschaffen können.

FRANKFURT. Zu den Vorreitern unter den deutschen Mittelständlern zählte schon vor fünf Jahren der Landmaschinenhersteller Claas, es folgten zum Beispiel der Getränke- und Süßwarengroßhändler Lekkerland, der Heiztechnikspezialist Vaillant, die Brauerei Warsteiner, der Getränkehersteller Eckes und der Oberflächentechnologiespezialist Surteco (siehe Interview). Bei den so genannten US-Privatplatzierungen werden Anleihen nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern gezielt an wenige Investoren, vor allem Lebensversicherer und Pensionsfonds in den USA, verkauft. „Eine Transaktion über 150 Mill. Euro geht in der Regel an etwa fünf Investoren“, sagt Achim Klüber, Geschäftsführer und verantwortlich für das Großkundengeschäft der Royal Bank of Scotland (RBS) in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bei diesen Investoren stellen sich die Unternehmen vor und präsentieren ihre Historie, ihre Zahlen und ihre Ziele. Die Informationen dringen aber nicht an die Öffentlichkeit. Die Investoren halten die Papiere bis zur Fälligkeit, die Zinspapiere werden nicht gehandelt.

Lebensversicherer mögen die privat platzierten Anleihen, weil sie einen langen Anlagehorizont haben und die Papiere wegen des fehlenden Handels nicht zu Marktwerten bilanzieren müssen. Häufig müssen die Unternehmen gewisse Anlegerschutzklauseln (Covenants) unterzeichnen, in denen sie sich verpflichten, gewisse Finanzkennzahlen etwa bezüglich der Nettoverschuldung zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einzuhalten. Das reicht den Investoren als Sicherheit, wenn sie von einem Unternehmen überzeugt sind. Für Firmen bieten privat platzierte Anleihen neben der Diskretion den Vorteil, dass sie sich Geld über zehn Jahre und mehr beschaffen können.

Bei Krediten sind die Laufzeiten deutlich kürzer, und auch bei Anleihen gibt es selten Laufzeiten über zehn Jahre. „Von den Zinssätzen her ist eine US-Privatplatzierung zudem oft ein kleines bisschen günstiger als eine herkömmliche Anleihe“, sagt Klüber. Zudem sparten Unternehmen bei US-Privatplatzierungen Kosten und Zeit, weil sie anders als bei öffentlichen Anleihen kein Rating von den großen Agenturen Standard & Poor's, Moody's oder Fitch brauchen, um Investoren zu finden. Dies mache die US-Privatplatzierungen gerade für Mittelständler interessant, von denen schätzungsweise 90 Prozent kein externes Rating haben.

Als Voraussetzungen für Unternehmen, die US-Privatplatzierungen nutzen wollen, gilt eine gewisse Umsatzgröße, weil Platzierungen unter 50 bis 75 Mill. Euro wenig Sinn ergeben. Zudem müssen die Firmen die Anleger natürlich überzeugen, dass sie über die Laufzeit die Zinsen für die Anleihe zahlen und die Papiere am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent zurückzahlen können. Klüber erwartet, dass noch mehr Mittelständler das Instrument nutzen werden: „Auch das Akquisitionsgeschäft im Mittelstand wird zunehmen, und die Privatplatzierung ist ein sehr flexibles langfristiges Refinanzierungsinstrument.“ Zudem hätten gerade deutsche Unternehmen in den USA einen guten Ruf als verlässliche Partner, die global arbeiten und deren Management weltoffen sei. Von daher seien sie bei Investoren beliebt.

Im ersten Halbjahr wurden nach Daten des Informationsdienstes Thomson Financial Anleihen über 20,2 Mrd. Dollar bei US-Investoren privat platziert. Daran hatten europäische mittelständische Unternehmen einen Anteil von über einem Drittel.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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