Privatanleihen
Es geht auch ohne Banken

Weil Banken nur noch ungern Kredit geben, fehlt vielen Banken frisches Kapital. Mit Privatanleihen wollen Unternehmen nun um die Kleinanleger werben. Doch deren Interesse ist derzeit gering. Die Anleger vertrauen lieber auf sicherere Anlageformen.

DÜSSELDORF. Die Finanzkrise wirft inzwischen immer längere Schatten auf die Warenwirtschaft. Das größte Problem der Unternehmen ist zurzeit mangelndes Kapital. Das beschaffen sie sich zunehmend auch außerhalb der Banken.

"Das Interesse an Privatplatzierungen hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen", sagt Günter Jucho: "Momentan haben wir zwei Projekte kurz vor der Fertigstellung." Mehr will der Chefberater der Firma Jucho & Coll Industrieanleihen aus Berlin nicht verraten; außer, dass es sich um gestandene Unternehmen handele, nicht um Neugründungen und auch nicht um Sanierungsfälle.

Bei allem Interesse der Unternehmen an von den Banken unabhängigen Finanzierungen muss es jedoch auch genügend Sparer und Anleger geben, die bereit sind, solche Anleihen oder Genussscheine zu kaufen. Diese Bereitschaft ist momentan jedoch gering. "Wenn Staaten wackeln und Banken kippen, dann darf man sich nicht wundern, dass Sparer sehr zurückhaltend werden", sagt Michael Kehl von der Anwaltskanzlei Dittke, Schweiger Kehl & Partner aus Düsseldorf: "Die Risiken sind sehr schwer zu kalkulieren."

Viele privat platzierte Anleihen sind in den vergangenen Wochen im Kurs gesunken. Sie bieten jetzt hohe Verzinsungen, sofern die gesunkenen Kurse nur das Ergebnis der allgemeinen Verunsicherung sind und nicht Vorboten kommender Probleme mit Zins- und Tilgungsleistungen. "Mit verschiedenen privat platzierten Anleihen sind Anleger kriminellen Machenschaften erlegen", weiß Anwalt Kehl aus einschlägigen Prozess-Akten. Er erklärt, wie Anleger diese Gefahr deutlich reduzieren können: "Wir erwarten, dass Emittenten von Anleihen über den Tag der Emission hinaus eine offene Kommunikation betreiben. Am besten sind vierteljährliche Zinsen und Berichte", erklärt Berater Jucho.

Die Zurückhaltung der Anleger bekam jüngst die Human Biosciences GmbH aus Luckenwalde zu spüren. 15 Mio. Euro sollte ihre 7,25-Prozent-Anleihe einspielen, um damit die Lizenzfertigung von neuartigem Kollagen in Brandenburg aufzubauen. 7,25 Prozent Zinsen sind allerdings für die heutigen Bedingungen zu wenig. Die Anleihe wurde zurückgezogen. "Wir werden es später noch einmal probieren", versichert Geschäftsführer Michael de Mari: "Vielleicht mit einem höheren Zins oder mit Genussscheinen. Die machen uns noch unabhängiger und vermitteln dem Anleger die Aussicht auf Zusatzzinsen." Allerdings sieht Michael Bormann vom Emissionsberater bdp-team in Berlin auch hier zurzeit wenig Chancen: "Genussscheine sind verbrannt. Seit dem IKB-Absturz will da niemand mehr ran."

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