Private Anleihen
US-Kapital für Molkerei im Allgäu

Allein im vergangenen Jahr haben Unternehmen rund 40 Mrd. Dollar bei US-Investoren privat platziert. Nur vier Prozent davon kamen aus Deutschland. Dabei sind die privaten Anleihen eine gute Alternative, um auch in der Krise an Geld zu kommen.

FRANKFURT. Amerikanische institutionelle Investoren und deutsche Mittelständler kommen am Fremdkapitalmarkt nur recht selten zusammen. Dabei können sich auch kleinere Unternehmen vergleichsweise einfach und häufig auch günstig Geld über privat platzierte Anleihen in den USA besorgen. Dies gilt besonders seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise vor rund einem Jahr, in der Unternehmen zumindest zeitweise viele andere Finanzierungswege verschlossen blieben.

"Die Fremdkapitalaufnahme über US-Private-Placements bietet gerade auch mittelständischen Unternehmen viele Vorteile, häufig schrecken diese aber auf Grund der besonders in Deutschland ausgeprägten Bankfinanzierung sowie der angelsächsischen Investorenbasis zurück", beobachtet Arno Fuchs, Gründer und Chef des Finanzierungsspezialisten FCF Fox Corporate Finance, einer auf den Mittelstand fokussierten Investmentbank.

Im Rahmen von US-Privatplatzierungen begeben die beteiligten Investmenbanken die Anleihen nicht öffentlich, sondern verkaufen sie wenigen ausgesuchten Investoren. Die größten Abnehmer sind US-Lebensversicherer. Sie müssen den Hauptteil ihrer Anlagegelder in Schuldtitel investieren und halten diese oft bis zur Fälligkeit. Anders als öffentliche Anleihen werden privat platzierte Bonds nicht an den Börsen gehandelt.

In den USA gibt es das Instrument seit den fünfziger Jahren. In Deutschland begaben in den neunziger Jahren BMW und Volkswagen erstmals Private Placements in den USA. Unter den deutschen Mittelständlern machte 2002 der Landmaschinenhersteller Claas den Vorreiter. Es folgten andere große mittelständische Firmen wie die Molkerei Alois Müller, die Brauerei Warsteiner, der Heiztechnikspezialist Vaillant und der Oberflächentechnologiespezialist Surteco.

Insgesamt haben Unternehmen im vergangenen Jahr nach Berechnungen des Datenanbieters Thomson Financial Anleihen über rund 40 Mrd. Dollar bei Investoren in den USA privat platziert und damit knapp 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Aus Deutschland kamen nur vier Prozent der Deals. "Die Investoren wollen ihre Portfolios diversifizieren und haben daher größtes Interesse an deutschen Unternehmen", sagt Fuchs. Die Zinskosten seien im Zuge der Finanzkrise auch bei US-Privatplatzierungen gestiegen. Unternehmen mit einer mittleren Bonität - vergleichbar mit einem "BBB"-Rating von den Ratingagenturen Standard & Poor's (kurz S&P) und Fitch oder der Note "Baa" von Moody's - müssten für zehnjährige US-Privatplatzierungen im Schnitt Zinsen von etwa sechseinhalb bis sieben Prozent zahlen, meint Fuchs, dessen Haus bei US-Privatplatzierungen im mittelständischen Bereich mit der britischen Investmentbank Barclays Capital zusammenarbeitet.

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