Private Equity
Investoren zielen auf den Mittelstand

Der Beteiligungsmarkt (Private Equity) ist derzeit durch extrem hohe Mittelzuflüsse seitens der Pensionskassen, Stiftungen, Versicherungen und Banken gekennzeichnet. Das hat den Anlagedruck der Branche verschärft. Da das Angebot an „Mega-Deals“ begrenzt ist, rücken mittelständische Firmen verstärkt in den Fokus der Private-Equity-Häuser.

FRANKFURT. Das britische Private-Equity-Haus 3i hat den bisher größten Beteiligungsfonds für den europäischen Mittelstand aufgelegt. Statt der ursprünglich anvisierten 3,5 Mrd. Euro stellten die institutionellen Investoren am Ende fünf Mrd. Euro für den „Eurofund V“ von 3i bereit, wie Deutschland-Chef Stephan Krümmer sagte. Etwa 15 bis 20 Prozent dieses Kapitals würden voraussichtlich im deutschsprachigen Raum investiert. Aus dem neuen Fonds sollen ausschließlich Mehrheitsbeteiligungen im „gehobenen Mittelstand“ finanziert werden. Die Transaktionsgrößen lägen üblicherweise zwischen 50 Mill. Euro und einer Mrd. Euro, ergänzte Krümmer. Bei Firmenkäufen im Mittelstand setzen die Finanzinvestoren rund 25 bis 30 Prozent Eigenkapital ein, der Rest entfällt auf Kreditfinanzierungen. Insgesamt können so von 3i nach eigenen Angaben etwa 15 Mrd. bis 20 Mrd. Euro für Übernahmen mittelständischer Unternehmen mobilisiert werden.

Der Beteiligungsmarkt (Private Equity) ist derzeit durch extrem hohe Mittelzuflüsse seitens der Pensionskassen, Stiftungen, Versicherungen und Banken gekennzeichnet. Das hat den Anlagedruck der Branche verschärft. Da das Angebot an „Mega-Deals“ begrenzt ist, rücken mittelständische Firmen verstärkt in den Fokus der Private-Equity-Häuser. Diese kaufen Unternehmen, restrukturieren sie und verkaufen die Firmen nach einigen Jahren zu einem meist höheren Preis weiter. Der Ansturm auf den Mittelstand hat mittlerweile dazu geführt, dass die Preise deutlich angezogen haben und der Wettbewerb härter wird.

Obwohl sehr viel Geld bereitsteht, öffnete sich der Mittelstand bisher nur zögerlich, weil die Finanzinvestoren in der Regel die Kontrolle über das Unternehmen anstreben. „Das Thema ist im Mittelstand angekommen, man kann aber nicht von einem Boom reden“, sagte ein Sprecher der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG). Nach einer Erhebung der DBAG wurden im bisherigen Jahresverlauf in Deutschland 22 (Vorjahr: 19) Übernahmen im mittleren Marktsegment verzeichnet; das Volumen der Deals erreichte bis einschließlich Oktober schon 2,5 Mrd. Euro und übertraf damit den Rekordwert des Vorjahres von 2,2 Mrd. Euro deutlich. Bis zum Jahresende könnten über drei Mrd. Euro in mittelständische „Buyouts“ fließen. Prominente Übernahmeziele waren 2006 der Hemdenhersteller Eterna, das Modehaus Jil Sander, der Verpackungsspezialist Ratioform und der Spielhallenbetreiber Löwen Play.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass es eine stetige Aufwärtsbewegung im Mittelstandsmarkt geben wird. Die Nachfolgeregelungen bei Familienunternehmen böten immer wieder Einstiegsmöglichkeiten für Finanzinvestoren, heißt es bei der DBAG. Der Handlungsdruck in den Firmen sowie die restriktivere Haltung der Banken bei der Kreditvergabe hätten zur Folge, dass sich die Nachfrage nach Private Equity dynamisch entwickeln werde, meint Detlef Mackewicz vom Beratungsunternehmen Avida Advisers.

3i zielt mit dem neuen Milliarden-Fonds nach eigenen Angaben auf die Medien-, Handels- und Konsumgüterbranche sowie auf das Gesundheitswesen. Der börsennotierte Finanzinvestor hat im vergangenen Geschäftsjahr rund 1,4 Mrd. Euro investiert.

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