Private Equity
Private Equity greift nach dem Mittelstand

Wenn Mittelständler Private Equity hören, denken sie oft noch an geldgierige Heuschrecken. Dementsprechend skeptisch begegnen viele Unternehmer den Finanzinvestoren. Dabei kann Beteiligungskapital in manchen Fällen auch für mittelständische Unternehmen die perfekte Lösung sein.

FRANKFURT. Fast genau drei Jahre ist es her, dass der US-Großinvestor Warren Buffett das erste Mal in Deutschland einflog, um Investitionsmöglichkeiten im Mittelstand zu suchen. Trotz aller lobenden Worte: Passiert ist seither wenig – eine Erfahrung, die die Private-Equity-Branche insgesamt mit Buffett teilt. Nach wie vor ist das Misstrauen gegenüber den Fonds groß und zuletzt womöglich sogar wieder gestiegen. Dabei hätten viele Mittelständler gerade in der Rezession frisches Eigenkapital dringend nötig.

„Die Finanzkrise hat die Bedenken gegenüber Private Equity nochmals verschärft“, berichtet Wolfgang Hartmann, Chairman des Unternehmernetzwerks TEC International. Dazu hätten oftmals Berichte über exzessive Verschuldung, die Zerschlagung von Firmen und deren finanzielles Ausbluten sowie einzelne Zusammenbrüche von Portfoliogesellschaften beigetragen.

Tatsächlich machen im Mittelstand häufig die Namen gescheiterter Firmen wie Märklin, Bavaria Yacht oder auch Edscha die Runde – und gelten zu Unrecht als Paradebeispiele. Hinzu kommt, dass viele Familienunternehmen mit den Renditeerwartungen von Finanzinvestoren schon formal schwer umgehen können und Angst haben, komplett die Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren. Hartmann fasst das häufig anzutreffende Urteil wie folgt zusammen: „Es fehlt der Geist des Mittelstandes.“

Selbst etablierte, defensiv orientierte Private-Equity-Gesellschaften spüren das. Der Mittelstand sei vorsichtig, bestätigt etwa Wilken von Hodenberg, Chef der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG). „Private Equity ist nicht immer und überall willkommen.“ Die Zahl jener Unternehmen, die dringend Bedarf an einer Kapitalerhöhung haben, werde als Folge der Krise in den kommenden Monaten aber sogar noch zunehmen. Zugleich würden Finanzinvestoren oftmals unterschätzt: Sie stünden mit Know-How und geeigneten Netzwerken zur Verfügung.

Ob Vorurteil oder nicht – zumindest sorgt die ablehnende Haltung vieler Mittelständler dafür, dass Deutschland hinsichtlich der Private-Equity-Investitionen unter dem EU-Schnitt liegt. So belaufen sich die Investitionen von Beteiligungsgesellschaften gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Zahlen des Branchenverbandes EVCA auf gerade einmal 0,37 Prozent. Das Mittel liegt bei 0,4 Prozent – Spitzenreiter Großbritannien kommt auf fast das Doppelte.

Und auf absehbare Zeit dürfte es bei dieser Diskrepanz bleiben. „Dass es hier künftig eine große Aufholjagd geben wird, glaube ich nicht“, sagt Lutz Goebel vom Netzwerk „Die Familienunternehmer“. Zu groß seien die Vorurteile. Hinzu komme, dass die heimische Unternehmenskultur schlicht eine andere sei als etwa in den USA oder eben Großbritannien. Wo über Generationen eine Firma aufgebaut und weitergereicht worden sei, gebe es schlichtweg wenig Bereitschaft, einen Außenstehenden ins Unternehmen zu lassen. Anders als Hartmann beobachtet Goebel aber eine langsame Öffnung. Mittlerweile kämen immer häufiger junge Manager bei Mittelständlern in Führungspositionen. Oft hätten sie international Erfahrung gesammelt und stünden Finanzinvestoren aufgeschlossener gegenüber.

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