Private Geldgeber
Investor gesucht

Das Technologierunternehmen Mobotix aus Kaiserslautern produziert hochauflösende Videokameras, die rund 30-mal mehr Details als herkömmliche Videoanlagen aufzeichnen. Doch die Entwicklung verschlang eine Menge Finanzmittel, das Unternehmen kämpfte mit großen Finanzierungsproblemen. Ein privater Investor war die Lösung.

FRANKFURT. Ob beim Betreten eines israelischen Postamts oder der Polizei in New Jersey: Kameras zeichnen aus Sicherheitsgründen jedes Detail auf. Auffällig gewordene Personen müssen sich hier auf eine ganz besonders detaillierte Bildanalyse gefasst machen. Denn zum Einsatz kommt eine neue Technologie aus Kaiserslautern. Mobotix produziert hochauflösende Videokameras, die rund 30-mal mehr Details als herkömmliche Videoanlagen aufzeichnen. Ein Fahndungsbild aus dieser Videoaufzeichnung ist somit keine verschwommene Momentaufnahme, sondern ein scharf geschossenes Foto mit rund drei Megapixeln. „Wir haben von Anfang an gewusst, dass diese Technologie ein Erfolg wird, aber die Entwicklung verschlang eine ganze Menge Finanzmittel“, sagte Mobotix-Chef Ralf Hinkel.

Das 1999 gegründete Unternehmen kämpfte in den ersten Jahren deshalb mit großen Finanzierungsproblemen. „Es kam bei Mobotix zu gewissen Verzögerungen bei den Planungszielen“, erzählt Brigitte Herrmann von der Investitions- und Strukturbank Rheinland Pfalz (ISB). Zusammen mit der Hausbank des Unternehmens sorgte die ISB für die Finanzierung des Start-ups. „Bei Mobotix stellte sich irgendwann die Frage, ob die Bank die Finanzierung so weiter vertreten kann“, sagt Herrmann.

Innovative Produktionsunternehmen verbrauchen, vor allem bei der Entwicklung neuer Technologien, in der Start-up-Phase sehr viel Geld. Die Eigenkapitalbasis von Mobotix war bald aufgebraucht. Es kam zu Verlustvorträgen und die Banken wurden zunehmend skeptisch. Damit das Unternehmen doch noch die dringend benötigte Unterstützung zugesprochen bekam, machte Mobotix sich auf die Suche nach zusätzlichen Geldgebern: Ein privater Investor war die Lösung. „Ich habe mich zuerst im Bekanntenkreis umgeschaut“, erzählt Hinkel. Nachdem sich Ulrich Putsch, ein entfernter Bekannter aus der Nähe von Kaiserslautern, das Konzept angesehen hatte, sei dieser schnell zum Entschluss gekommen: Da investiere ich.

Putsch steckte 400 000 Euro in das junge Unternehmen – zehn Prozent des Grundkapitals. Entscheidend war, dass seine Investition ein positives Signal an die ISB und die Hausbank gab. „Das Engagement eines privaten Investors zeigt, dass auch noch andere Beteiligte an den Erfolg glauben“, so Herrmann von der ISB, die rund 100 Unternehmen in der Frühphasenfinanzierung betreut. Sich private Investoren ins Boot zu holen, sobald die ersten Umsätze gemacht wurden, hält Hermann für eine gute Möglichkeit, um das Vertrauen auf Bankenseite zu stärken.

Neben dem Kapital bringen private Investoren oft auch weiteres Know-how ins Unternehmen ein. „Private Investoren sind speziell als Business Angel eine hervorragende Ergänzung. Es handelt sich ja meist um branchenerfahrene Personen, die ihr Know-how mitbringen und dem Unternehmer selbst auch sehr gut beratend zur Seite stehen können,“ sagt Olivier Weddrien, Geschäftsführer der DZ Equity Partner. Auch in der derzeitigen Finanzkrise, in der so manche Bank ihre Engagements genauer unter die Lupe nimmt, kann dies für junge Unternehmen eine Strategie sein.

Auch Alexander Hölz vom auf junge Unternehmen spezialisierten High-Tech Gründerfonds unterstreicht: „Für die Banken bedeuten Eigenkapital-Fonds möglicherweise eine indirekte Sicherheit und stimmen diese milde.“

Bei Mobotix ging die Rechnung auf: Nachdem der private Investor und dadurch auch die Banken ihr weiteres finanzielles Engagement zugesagt hatten, stiegen im nächsten Schritt zwei Venture Capital Fonds mit insgesamt 15 Prozent ein und finanzierten so die Expansion. „Auf das Kapital waren wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr angewiesen, aber auf der Bilanz machte sich das Eigenkapital der Venture-Fonds gut“, so Hinkel.

2007 ging das Unternehmen aus Kaiserslautern schließlich an die Frankfurter Börse. Die Medien feierten Mobotix als erfolgreichsten Börsengang des Jahres. Auch heute ist die ISB Rheinland Pfalz noch Aktionär der Mobotix, allerdings nur mit einem geringen Anteil. Die Finanzierung des Technologie Start-ups war eine ihrer erfolgreichsten Investitionen.

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