Problem bei Refinanzierung
Die Verbriefung von Mittelstandskrediten stockt

Anfang August war es, als die Commerzbank stolz verkündete, Mittelstandskredite in Höhe von zwei Mrd. Euro verbrieft zu haben – vollkommen zurecht, denn im Zuge der Kreditkrise war das Misstrauen gegenüber verbrieften Wertpapieren ausgebrochen. Auch nach der Commerzbank-Verbriefung herrschte erst einmal Stillstand auf dem Verbriefungsmarkt, doch es besteht Hoffnung.

FRANKFURT. Die stockende Verbriefung ist für mittelständische Unternehmen eine schlechte Nachricht, denn für ihre Refinanzierung ist die Verbriefung zunehmend wichtiger geworden – ob Kredite, Schuldscheindarlehen oder Mezzanine-Kapital. Die Verbriefung von Mittelstandskrediten machte im vergangenen Jahr rund 17 Prozent des gesamten Verbriefungsvolumens von 37 Mrd. Euro in Deutschland aus. Von vielen dieser Verbriefungen haben die Mittelständler nichts mitbekommen, denn über synthetische Verbriefungen platzieren die Banken im Gegensatz zu den True Sale-Verbriefungen lediglich das Risiko eines Bündels von Krediten aus. Die Kredite selbst bleiben bei der Bank, die sie so mit weniger Eigenkapital unterlegen muss. Größere Mittelständler können zudem Handelsforderungen in so genannte ABCP-Zweckgesellschaften ausplatzieren, die sich über kurzfristige Schuldverschreibungen am Kapitalmarkt refinanzieren. Sind diese Tore der Finanzierung nun verschlossen?

Derzeit befinde sich der Verbriefungsmarkt in einer Reorientierung, sagt dazu Hartmut Bechtold von der Geschäftsführung der Verbriefungsinitiative True Sale International (TSI).

Er rechnet jedoch damit, dass der deutsche Verbriefungsmarkt "bald“ wieder anzieht und sein Volumen von 30 bis 40 Mrd. Euro Risikotransfer im Jahr halten kann. Dabei hilft, dass in Deutschland vor allem Gewerbeimmobilien- und Firmenkredite verbrieft werden – und nicht private Baukredite wie in den USA. Allerdings müssen sich Unternehmen und Banken auf höhere Risikoaufschläge gefasst machen – vor allem die mit schlechterer Bonität. Die Investoren werden sich mit den niedrigen Risikoprämien des Sommers nicht mehr zufrieden geben.

Bei der Verbriefung von Handelsforderungen dürften sich Experten zufolge reine Zweckgesellschaften für solche Forderungen aus Lieferung und Leistung bilden, um das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen. Am schwersten könnten es die Mezzanineprogramme haben, denn auf ihnen lastet nicht nur die Verbriefungskrise, sondern auch zu kleine Verbriefungsvolumina, die Investoren nicht gerne sehen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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