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Produkt-Piraterie: Was Mittelständler gegen Plagiate tun können

Plagiate vermiesen dem Mittelstand zunehmend das Geschäft: Allein für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland entsteht dadurch ein Schaden von 50 Mrd. Euro jährlich. Eine Patent-Lösung für das Problem gibt es nicht - im wahrsten Sinne des Wortes.

Katrin Bode präsentiert in einem Büro der Firma Koziol die Koziol-Spülbürste "Tim", links das Original, rechts daneben die Plagiate. Quelle: dpa
Katrin Bode präsentiert in einem Büro der Firma Koziol die Koziol-Spülbürste "Tim", links das Original, rechts daneben die Plagiate. Quelle: dpa

KÖLN. Das Abenteuer in China löst bei Andreas Limper keine positiven Erinnerungen aus. Der Geschäftsführer des Maschinenbauers Harburg-Freudenberger wollte für seine Anlagen neue Märkte erschließen - stattdessen vermieste ihm der chinesische Geschäftspartner gründlich das Geschäft.

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Ein Lizenznehmer sollte in Fernost die Systeme zur Gummiverarbeitung vertreiben. Erst habe der vermeintliche Partner viel zu geringe Lizenzgebühren bezahlt, dann habe er damit begonnen, die in Deutschland entwickelten Maschinen zu imitieren und die Plagiate weltweit zu verkaufen. "Heute wirbt das Unternehmen mit deutschem Know-how und macht uns mit Dumpingpreisen Konkurrenz", sagt Limper. Sein Unternehmen hat aus dem Abenteuer in China viel gelernt: Lizenzpartner hält Harburg-Freudenberger heute auf größtmöglicher Distanz, die juristische Verfolgung von Imitatoren wurde seither massiv verstärkt.

Das Problem von Produkt- und Markenpiraterie entdecken viele Mittelständler erst, wenn es schon zu spät ist. "Viele kümmern sich darum nur, wenn es richtig weh tut", sagt Knut Blind, Professor für Innovationsökonomie an der TU Berlin. Obwohl der Stellenwert von geistigem Eigentum seit Jahren stetig steigt, gebe es in vielen Fällen noch Aufklärungsbedarf, wie sich Unternehmen effektiv vor Ideendiebstahl schützen können, ergab eine Studie, die Blind in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte.

Über zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, von Produktpiraterie betroffen zu sein. Allein für das verarbeitende Gewerbe entstehe dadurch ein Schaden von 50 Mrd. Euro jährlich. Betroffene Unternehmen berichten von Umsatzeinbußen von bis zu zehn Prozent. Während sich Konzerne mit großen Rechts- und Patentabteilungen zu wehren versuchen, fehlen mittelständischen Betrieben oft die nötigen Ressourcen: "Kleinere Unternehmen können es sich in der Regel nicht leisten, Rechtsverletzungen international zu verfolgen", sagt Blind. "Aufgrund ihrer Größe sind Mittelständler strukturell benachteiligt."

Blinds Studie versucht Strategien aufzuzeigen, wie der Mittelstand sein geistiges Eigentum dennoch wirksam schützen kann. "Patente sind nicht in jedem Fall die beste Lösung." Sie sind oft zu teuer und in Schwellenländern wie China meist nicht durchsetzbar. Effektiver sei es in bestimmten Fällen, Produkte beispielsweise gekoppelt mit einer Dienstleistung zu verkaufen. "Eine kompetente Wartung lässt sich nicht so leicht kopieren", sagt Blind. Eine Patentanmeldung könne außerdem Plagiatoren unfreiwillig in die Hände spielen: Coca Cola hatte stets auf ein Patent verzichtet, weil es dafür seine Rezeptur hätte öffentlich machen müssen. "Das hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine langfristig geschäftsschädigende Wirkung gehabt", sagt Blind.

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