Produktion stagniert
Frankreichs Chemie will von Deutschland lernen

In der französischen Chemieindustrie hängt der Haussegen schief. Die Branche leide an einem "äußerst ungünstigen Umfeld", beklagte Verbandspräsident Alain Devic Ende März 2007. Hoffnungsvoll richtet sich jetzt der Blick nach Deutschland.

PARIS. Devic, Präsident des Nationalen Verbandes der Chemieindustrie (UIC - Union des Industrie Chimiques) zog vor der Presse Bilanz: der Branche geht es miserabel. Man leide an der schleppenden Inlandsnachfrage, die Steuern seien zu hoch und aufgrund fehlenden Wettbewerbs habe man zu hohe Fracht- und Logistikkosten zu schultern. Darüber hinaus sei das Bild der Chemieindustrie in der französischen Gesellschaft negativ. Dies alles, so Devic, habe dazu geführt, dass die Inlandsproduktion im Zeitraum 1995 bis 2005 nur um durchschnittlich 1,2% p.a. expandiert sei. Im selben Zeitraum sei hingegen die deutsche Chemieproduktion um 2,3% gewachsen.

Nachdem 2006 die Chemieproduktion stagnierte, hofft der Verband für 2007 auf eine leichte Besserung. Devic nannte +1,7% als Prognose für das Produktionswachstum. Nimmt man die Pharmabranche hinzu, könnten sich 2007 +2,7% ergeben.

Nun will der Verband seine Schwächen beseitigen und orientiert sich dabei an der Struktur der deutschen Chemie. Die Ansatzpunkte sind vielfältig: Verbesserung der Zusammenarbeit öffentlicher und privater Forschung, Förderung von Unternehmenszusammenschlüssen zur Erhöhung der Betriebsgrößen, Entwicklung integrierter Chemie-Cluster, Verbreiterung der inländischen Produktionsbasis der Grundstoffchemie, Abbau administrativer Beschränkungen im Transport (Gewichtsbeschränkung von Lkw auf 40 t), Senkung der Eisenbahnfrachtkosten und Steuern (insbesondere der Gewerbesteuer) sowie eine nachhaltige Verbesserung des Image der Chemie in der Gesellschaft.

Mit diesem Bündel an Initiativen will Frankreich zum Nachbarn Deutschland aufschließen. Immerhin sind Umsatz und Export der Chemie in Deutschland etwa doppelt so hoch wie in Frankreich.

Unter den Chemiesegmenten konnten einzig Pharma sowie Seifen, Parfüm und Reinigungsmittel das Jahr 2006 mit erfreulichen Zahlen abschließen. Während die Pharmaindustrie jedoch unter einem drastischen Preisverfall ihrer Produkte leidet und ihr Heil im Export sucht, laufen die Verkäufe von Parfüm, Kosmetik, Reinigungsmittel und Seifen sowohl im Inland wie im Ausland bestens. Dabei profitiert die Branche insbesondere von der Alterung der Bevölkerung und der rasch wachsenden Nachfrage aus Mittel- und Osteuropa sowie in China.

Zum Sorgenkind ist die Spezialchemie geworden, die ein ganze Palette an unterschiedlichen Produkten umfasst. Eingebrochen ist in den beiden zurückliegenden Jahren vor allem der Absatz von Autolacken und Fotochemikalien. 2006 war ferner der Absatz von Agrarchemikalien rückläufig.

In der mineralischen Chemie hat die Schließung einiger Fabriken die Produktionszahlen nachhaltig getroffen. Kosten und Rentabilität aufgrund gestiegener Rohstoffpreise ließen die Inlandsproduktion von Düngemitteln und Chlor zurückgehen und die Importe ansteigen.

Für Investitionen war 2006 ebenfalls ein eher mageres Jahr. Sie erreichten 3,1 Mrd. Euro und lagen damit um nominal 1,5% unter dem Vorjahr. 2005 waren sie noch um 8% gestiegen. 2007 ist mit keiner nennenswerten Erhöhung zu rechnen. Nach Einschätzung der UIC nehmen im Inland die Ausgaben für Modernisierung und Rationalisierung zu, während neue Produktionsanlagen vor allem in ausländischen Wachstumsmärkten gebaut werden.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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