Produktionsabläufe
Kaum auf Krisen vorbereitet

Produktionsfehler können die Existenz kleiner Betriebe bedrohen. Doch obwohl gravierende Folgen drohen, wird das Problem oftmals unterschätzt: die Wenigsten beugen systematisch vor. Dabei kann Risikocontrolling Schäden in Millionenhöhe vorbeugen.

BONN. Ein bayerischer Fleischproduzent bringt vergammeltes Fleisch in Umlauf und damit die ganze Zunft in Verruf. Ein Süßwarenproduzent muss Tausende Packungen Mäusespeck zurückrufen, in die Metallteile geraten sein könnten. Tester finden in Obst- und Gemüsesäften die Chemikalie Isopropylthioxanthon (ITX). Bei den meist mittelständischen deutschen Lebensmittelherstellern kann eine solche Krise die Existenz bedrohen. Und doch sind viele Betriebe nicht ausreichend vorbereitet.

Die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) hat 2006 zusammen mit der Unternehmensberatung AFC Management Consulting 150 Qualitätsmanager deutscher Lebensmittelhersteller befragt. Ergebnis: Pläne für einen Krisenstab haben immerhin 87 Prozent der Befragten. Ein Rückrufteam, zu dem auch Juristen und Public-Relations-Spezialisten gehören, existiert nur bei 64 Prozent der Unternehmen.

„Vor allem bei der Vorbeugung gibt es Riesendefizite“, sagt Anselm Elles, Vorstandsmitglied von AFC und Spezialist für das Krisenmanagement in der Lebensmittelindustrie. Rechtlich sind die Anforderungen klar geregelt: Mit der Verordnung 178 der Europäischen Union (EU) aus dem Jahr 2002. Als Reaktion auf BSE und Futtermittelskandale verpflichtete sie Lebensmittelhersteller, ihre Produkte rückverfolgbar zu machen. Seit 2005 gilt die Verordnung in Deutschland, und Sprudel-Abfüller können heute von jeder einzelnen Wasserflasche sagen, wann sie wo abgefüllt wurde. Die Verordnung fordert auch, „Risiken präventiv festzustellen und einzugrenzen“.

Eine halbe Mill. Euro kann ein kleinerer Rückruf in der ersten Woche kosten, schätzen Experten. Größere Chargen lassen die Kosten schnell auf zehn Mill. Euro steigen, und eine Produktschutzversicherung für diesen Fall hat nach Einschätzung von AFC nur rund die Hälfte der deutschen Lebensmittelhersteller abgeschlossen. In jedem Fall steht erst einmal die Produktion still: Bis die Reste eines zersplitterten Marmeladenglases im Werk gefunden sind, können Stunden oder sogar Tage vergehen.

Spezielle Berater helfen Unternehmen, solche Fehler zu vermeiden. „Den Weg, den das Produkt geht, gehen wir auch“, verspricht Iris Eschenbacher. Die Lebensmittelchemikerin und Geschäftsführerin des Kulmbacher Lebensmittellabors Cenas AG unterstützt Betriebe beim Risiko-Controlling. „Vor allem dort, wo Menschen arbeiten, lauern Gefahren“, weiß Eschenbacher. Der gefährlichste Krisenherd sei mangelnde Hygiene: „Den Ehering muss man nun einmal abnehmen.“

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