Produktionsverlagerung
Werkbank und Milliardenmarkt

Der Trend zur Produktionsverlagerung im Werkzeugmaschinenbau ist ungebrochen: Während die Ingenieursarbeit in Deutschland bleibt, wandern immer größere Anteile der Produktion ins Ausland. Wichtigster Grund: Die immer noch viel niedrigeren Löhne im Osten – und die teuren Arbeitsplätze in der Heimat.

KÖLN. Im Jahr 2001 hat Weiler das tschechische Werk im Zuge der ersten tschechischen Privatisierungswelle übernommen. „Um die Kostensituation für unsere Produkte zu optimieren, ist es notwendig, arbeitsintensivere Fertigungsschritte in Billiglohnländer zu verlagern“, sagt Geschäftsführer Friedrich Eisler. Nur so sei es möglich, den Standort Deutschland zu sichern und auszubauen.

„Die hohen deutschen Arbeitskosten sind im Maschinen- und Anlagenbau nach wie vor das größte Problem“, sagt Norbert Berthold vom Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg.

Auch die Körber Schleifring GmbH, ein Tochter des familiengeführten Mischkonzerns Körber, unterhält eine Produktionsstätte in der Nähe von Brünn. „Tschechien ist für uns ein Low-Cost-Standort“, sagt Ralf Kammermeier, Geschäftsführer für Vertrieb. Die niedrigen Produktionskosten seien das Hauptargument dafür, in Tschechien zu produzieren. Dagegen sei die kürzere Distanz zu Kunden in Osteuropa unerheblich. „Von der Schweiz aus ist man schließlich genauso schnell in Ungarn wie von Tschechien aus“, sagt Kammermeier.

Während deutsche Unternehmen Osteuropa zunehmen als verlängerte Werkbank nutzen, folgt der Gang nach Indien oder China einem anderen Kalkül: Der Erschließung neuer Märkte. So produziert Schleifring nicht nur in Osteuropa, sondern auch im chinesischen Taicong, zwei Kilometer hinter der Provinzgrenze zu Shanghai. „Wir müssen einfach dort vertreten sein, wenn wir diesem Markt gerecht werden wollen“, sagt Kammermeier. So seien Chinesen mittlerweile zu den größten Nachfragern für Schleifmaschinen aufgestiegen. „Mit dem reinen Export ist es da nicht mehr getan.“

Vielmehr braucht es vor Ort Strukturen, die auf die Ansprüche in Fernost zugeschnitten sind. „Die Qualitätsansprüche an die Produkte ist bei chinesischen Kunden ebenso hoch wie in Deutschland“, sagt Kammermeier. Allerdings seien eher einfache Maschinen in größeren Stückzahlen gefragt. Zudem spiele Flexibilität eine weniger entscheidende Rolle als hierzulande.

Seite 1:

Werkbank und Milliardenmarkt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%