Produktpiraterie
Schillernder Schutz

Die Produktpiraterie hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Betroffen sind längst nicht mehr nur bekannte Marken internationaler Luxus- und Designkonzerne, sondern auch Mittelständler. Aber auch sie können sich gegen die illegalen Kopierer wehren.
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Manchmal muss man gar nicht weit gehen, um gefälschte Produkte des eigenen Unternehmens zu finden. Manchmal reicht ein Ausflug in den heimischen Baumarkt um die Ecke. Dort, nur wenige Kilometer vom Firmensitz im niedersächsischen Holzminden, in der Kundentoilette eines Heimwerkerparadieses, stieß ein Mitarbeiter des Elektrogeräteherstellers Stiebel Eltron auf eine fast perfekte Kopie des Händetrockners HTE 4. Das Gerät sah gleich aus, es klang auch gleich, nur das Stiebel-Eltron-Logo fehlte.

Die Produktpiraterie hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Nach Schätzung der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit OECD machen Fälschungen inzwischen drei Prozent des gesamten Welthandels aus. Die Schäden für die Unternehmen liegen bei rund 400 Milliarden Dollar. Stiebel Eltron etwa ließ kürzlich 4 000 Plagiate eines illegal nachgebauten Schnellheizers vom Zoll aus dem Verkehr ziehen und auf Kosten des deutschen Importeurs zerstören.

Betroffen sind längst nicht mehr nur bekannte Marken internationaler Luxus- und Designkonzerne, sondern auch Mittelständler. Doch auch Unternehmen ohne riesige Rechtsabteilungen und Verwaltungsapparat können sich gegen Räuber ihres geistigen Eigentums wehren. Zum einen hilft Technik, von einfachen Etiketten bis zu komplizierten Identifikationssystemen, gegen den Ideenklau. Zum andern bieten das Recht und die Zusammenarbeit mit Behörden oft hinreichenden Schutz.

Noch scheinen viele Unternehmen aus der zweiten Reihe das Problem nicht ernst genug zu nehmen. In einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) in Berlin gaben zwar zwei Drittel von 7 000 befragten überwiegend mittelständischen Unternehmen an, bereits von Piraterie betroffen gewesen zu sein. Der Anteil derer, die sich dagegen mit Technik schützen, lag aber nur bei weniger als einem Drittel. Vielen Unternehmen fehle das nötige Wissen über moderne Technologien, mit denen sich Fälschungen verhindern lassen, schreiben die Autoren der Studie. Die meisten improvisierten, wenn sie mit Plagiaten und Markenrechtsverletzungen konfrontiert seien.

Häufigstes Mittel, das Hersteller gegen das Abkupfern einsetzen, sind – wenn überhaupt – Hologramme. Das sind dreidimensionale Bilder, die je nach Blickwinkel ihre Farbe und ihre Muster verändern. Fehlen die schillernden Erkennungszeichen, ist die Ware nachgemacht. Für versierte Fälscher stellen sie aber kein großes Hindernis dar. „Auch recht gut gemachte Hologramme werden häufig innerhalb einer Woche kopiert“, sagt Jürgen Biermann, Experte beim US-Technologiekonzern 3M in Deutschland.

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