Prosecco
Italiens prickelndes Monopol

Prosecco in goldenen Dosen und blauen Flaschen soll es bald nicht mehr geben. Denn die Winzer aus Treviso werden künftig so geschützt wie die Champagner-Erzeuger. Die Zeit der billigen Partybrause ist damit entgültig vorbei: Der Prosecco wird knapper - und teuerer.
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KÖLN. Sieben Jahre hat die Schutzgemeinschaft der Prosecco-Winzer gekämpft, eigene Kontrolleure losgeschickt und den Landwirtschaftsminister in Rom mit Brandbriefen genervt. Jetzt ist das Ziel erreicht: "Prosecco" wird eine besondere kontrollierte Herkunftsbezeichnung, ab Januar 2010 müssen alle anderen Perlweine, die sich mit dem Namen schmückten und in güldenen Dosen oder blauen Flaschen daherkamen, einen neuen Namen suchen. Auch für fragwürdige Verschnitte, die als Prosecco für 1,49 Euro beim Discounter zu haben waren, kommt das Aus.

Franco Adami, der Präsident des Prosecco-Consorzio, hat sich in diesem Kampf einen Kniff einfallen lassen. Prosecco war bislang eine Traube. Prosecco ist aber auch ein Dorf nahe Triest. Von dort bezogen einst Winzer im Veneto besondere Reben, die sie einfach nach dem Ort der Herkunft benannten. Irgendwann gab es dann auch eine schäumende Variante, der Prosecco begann seinen Siegeszug. Die insgesamt 620 Betriebe der Region erzeugen 57 Mio. Flaschen, mindestens 30 Prozent davon gehen in den Export. Die Wertschöpfung beträgt immerhin 370 Mio. Euro, davon hat sich so mancher fremde Winzer anstecken lassen - besonders auf dem deutschen Markt.

So ist gerade in Deutschland unter dem Namen Prosecco sehr viel Wein zu kaufen, der gar kein Wein aus der Region ist. Und auch deshalb soll künftig nur noch der Traubensaft aus der Region um Treviso so heißen.

Heute fängt es schon beim Prosecco Frizzante an, unglaubwürdig zu werden. Es ist Wein mit zugesetzter Kohlensäure, manchmal ist das ein leichter Genuss. Anderswo wird dem Prosecco keine Entwürdigung erspart. Er wird massenweise verhökert, mit Billigsorten verschnitten, rosa gefärbt und am Zapfhahn wie Bier ausgeschenkt, prangert Autor Andreas März in seinem Weinmagazin "Merum" an. Der Wahl-Italiener nennt zwar kein Land, aber eindeutig meint er die wunderlichen Deutschen, die auf Partys die billige Brause schlucken und sich so in eine vermeintlich mediterrane Stimmung versetzen. Sie werden künftig keinen "Prosecco" mehr trinken.

Ab 2010 heißt nicht mehr die Traube so, sondern ihre Region. Die Rebsorte heißt dann Glera, wie einst. Steht Prosecco DOC auf der Flasche, stammt der Inhalt, das wird streng überprüft, aus der Gegend von Treviso. Das Hügelland zwischen Valdobbiádene und Conegliano, wo die besten Prosecco-Spumanti herkommen, erhält den Zusatz DOCG (Denominazione di origine controllata e garantita). Nur Flaschen bestimmter Farbe dürfen verwendet werden. Verschnitte mit anderen Traubensorten sind verboten. Einen Frizzante mit diesem Namen wird es nicht mehr geben. Die Erzeugung des Original-Prosecco dürfte sich auf knapp 20 Mio. Flaschen einpendeln. Bislang wurde unter diesem Namen mehr als das Zehnfache verkauft.

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