Prozessfinanzierer
Wenn die Portokasse nicht mehr reicht

Gebrochene Verträge, ausbleibende Zahlungen: Werden Mittelständler um ihren Verdienst gebracht, fehlt ihnen zur Klage oft das Geld. Hier können Prozessfinanzierer einspringen. Sie strecken ihren Kunden die Kosten vor und halten sie von jedem Risiko frei. Gerade in Krisenzeiten können kleine und mittelständische Unternehmen auf diese Weise profitieren.

HB. Als selbstständiger Bauberater hatte es Karl-Heinz Rietz weit gebracht: Zwei Firmen mit 36 Angestellten, ein guter Ruf in der Region, Aufträge von Großunternehmen. Doch dann geriet durch einen Auftrag für die Deutsche Bahn alles ins Wanken. Er führte für sie Erdarbeiten aus und baggerte statt wertvollem Kies nur kontaminierten Sand auf seine Laster. Die Bahn jedoch weigerte sich, für dessen Entsorgung zu zahlen, der Karlsruher Unternehmer blieb auf rund drei Millionen Euro sitzen. Die tragische Folge: Sein Unternehmen ging in die Insolvenz. „Ein beispielloser Skandal“ mit „gebrochenen Verträgen, verschleppten Prozessen und einem zerstörten Leben“, titelte das „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Zehn lange Jahre dauerte der Kampf des schwäbischen Unternehmers.

Dass Rietz vor Gericht schlussendlich doch noch zu seinem Recht kam, gelang ihm durch den Einsatz eines Prozessfinanzierers, der Foris AG. Denn das Geld für einen langwierigen Prozess mit hohen Gutachter-, Anwalts- und Gerichtskosten hatte er nicht. Die Bonner Firma Foris ist Pionier und Marktführer dieses Geschäftsfelds, ihre Gründer Lothar Müller-Güldemeister und Christian Rollmann erfanden es vor zehn Jahren. Neben der Foris AG, die als größter unabhängiger Finanzierer in Deutschland gilt, tummeln sich heute vor allem Versicherungen mit ihren Töchtern auf dem lukrativen Markt: Allianz Prozessfinanz, Roland Prozessfinanz und DAS Prozessfinanzierung sind die Konkurrenten der Bonner.

Prozessfinanzierer strecken ihren Kunden die Kosten vor und halten sie von jedem Risiko frei. Im Gegenzug erhalten sie im Erfolgsfall zwischen zehn und 30 Prozent der erstrittenen Summe.

Foris trug auch das Risiko bei Rietz’ langjährigen Rechtsstreit mit der Bahn. Für den insolventen Bauleiter wurde die Rechtsverfolgung so erst möglich, Vorschüsse für Anwaltskosten, Gerichtsgebühren und Gutachter hätte er sich nicht über drei Instanzen hinweg leisten können.

Das Geschäftsmodell der Prozessfinanzierer funktioniert im Detail so: Angestellte Juristen prüfen den Fall und seine Erfolgsaussichten. Sie schließen – wenn sie an den Erfolg der Sache glauben – mit dem Klagewilligen dann einen Vertrag, der ihn von seinen Risiken freistellt. Anwaltskosten, Gerichtsgebühren und das Salär der Gutachter werden beglichen, die Honorare der Gegenseite – im Falle des Falles – eingeschlossen. Die Höhe der Erfolgsbeteiligung variiert – je nach wirtschaftlicher und rechtlicher Betrachtung der Erfolgsaussichten des konkreten Einzelfalles. „Bei zehn Prozent des zu erzielenden Erlöses geht es los, das Maximum sind etwa 50 Prozent“, schildert Gerrit Meincke, Abteilungsleiter bei Foris. Das Gros der Fälle bewege sich jedoch bei 20 bis 30 Prozent – zahlbar aber eben nur im Erfolgsfall.

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