Public Private Partnership
Kommunen bauen mehr auf private Partner

Das Zauberwort heißt „Public Private Partnership“. Partnerprojekte von Staat und Wirtschaft sind im Kommen – und eröffnen ein völlig neues Geschäftsfeld.

DÜSSELDORF. In der Weibelfeldschule im hessischen Dreieich ist die Welt bald wieder in Ordnung. „Der vierte Bauabschnitt wird Ende der Sommerferien abgeschlossen sein. Damit liegt unser privater Partner deutlich vor dem vereinbarten Zeitplan“, freut sich Landrat Peter Walter. Die Gesamtschule ist Teil eines Public Private Partnership (PPP) - der bisher größten öffentlich-privaten Schulrenovierung ihrer Art. Seit Oktober 2004 saniert die SKE Schul Facility Management GmbH die Gebäude.

Solche Partnerprojekte von Staat und Wirtschaft sind im Kommen. Die öffentliche Hand überträgt den Neubau, die Sanierung und den anschießenden Betrieb ihrer Bauten an private Unternehmen, die dafür Miete oder Gebühren kassieren. Während Bund und Länder das bei Straßen- und Tunnelbauten machen, kooperieren Kommunen vor allem beim Betrieb von Gebäuden.

Das Deutsche Institut für Urbanistik schätzt die Anzahl der aktuellen PPP-Projekte in Deutschland auf 300, rund 80 Prozent darauf entfallen auf die Kommunen. Die Anzahl der Partnerschaften hat sich in den letzten beiden Jahren verdoppelt, die Gesamtsumme der aktuellen kommunalen Projekte beträgt drei Mrd. Euro.

Doch die Bundesregierung will den Anteil von PPPs ausweiten. „Mit Deutschland vergleichbare Länder weisen bereits heute eine Quote von bis zu 15 Prozent auf“, sagt Achim Großmann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesbauminister. Bei einem auf 700 Milliarden Euro geschätzten Investitionsstau der Kommunen macht das 105 Mrd. Euro. Eine vorsichtigere Prognose der Hochtief-Tochter PPP-Solutions rechnet für die nächsten Jahre immerhin mit einem Investitionsvolumen von rund 30 Mrd. Euro.

Während die Verträge beim Facility Management unter dem Druck zunehmender Konkurrenz immer kürzer laufen, haben die öffentlich-privaten Projekte regelmäßig Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren. Bauunternehmen erschließen mit dem nahe am Kerngeschäft gelegenen Facility Management nach jahrelanger Talfahrt einen Wachstumsmarkt, und die öffentliche Hand profitiert von den Effizienzgewinnen. Außerdem bringen die Unternehmen die Finanzierung aus eigener Hand oder mit einer Bank im Hintergrund bei Bedarf gleich mit.

„Der Staat ist praktisch pleite. Aber der Investitionsbedarf etwa im Verkehrsbereich oder in den Schulen ist riesengroß“, sagt Hochtief-Vorstandschef Hans-Peter Keitel. Dem hat das Stammgeschäft mit dem Bau von Gebäuden und Straßen in den vergangenen Jahren wenig Freude gemacht, umso wichtiger ist die neue Perspektive für den Konzern. „Die Transformation vom Bauunternehmen zum Baudienstleister haben wir vollzogen“, sagt Keitel zufrieden. Denn verglichen mit dem herkömmlichen Baugeschäft sind bei den privat-öffentlichen Partnerschaften neben den Wachstumsraten auch die Margen wesentlich größer.

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