Qualität gefragt
Erste Investoren in Russlands Sonderzonen

Russlands neu gegründete Sonderwirtschaftszonen können erste Erfolge bei der Anwerbung millionenschwerer Investitionsvorhaben vermelden. In Tatarstan und Lipezk, wo die vorläufig einzigen Sonderwirtschafszonen industriellen Typs entstehen, wird bereits an fünf größeren Projekten gearbeitet. Die russische Zulieferindustrie ist heute jedoch kaum in der Lage, die benötigte Qualität zu liefern.

MOSKAU. Tatarstan lässt sich das Prestigeprojekt der Sonderwirtschaftszone "Alabuga" einiges kosten. Allein in den Bau der Infrastruktur der Zone werden in fünf Jahren etwa 350 Mill. US$ gesteckt, sagt Timur Schagiwalejew. "Mit dem Geld wollen wir gute Bedingungen für Investoren schaffen", betont der Beamte, der die regionale Zweigstelle der Föderalen Agentur für Sonderwirtschaftszonen in Tatarstan leitet.

Die Ankündigungen sind keine bloßen Worte. Planierraupen, Bagger und Baukrane haben in "Alabuga" längst die Herrschaft übernommen. Am Ende werden vierspurige Zugangsstraßen in die Zone führen, neue Leitungen für genügend Strom und Erdgas sorgen, verspricht Schagiwalejew.

Für den Rest - modernste Produktionswerke und Zehntausende neue Arbeitsplätze - sollen private Investoren sorgen. "Wir erwarten Investitionen von insgesamt 1 Mrd. $ und 30 000 Arbeitsplätze", so der "Alabuga"-Verwalter Schagiwalejew. Die ersten 100 Mill. $ sind bereits fest vereinbart worden. Sewerstal-Awto, die Automobiltochter der Stahlholding Sewerstal, wird in der Sonderwirtschaftszone in Tatarstan ein neues Werk errichten. Dort werden demnächst 75 000 Transporter der Marke Fiat Ducato pro Jahr zusammengeschraubt.

Bei dem Vorhaben geht es um mehr als nur um Montage. Innerhalb von 54 Monaten wird der lokale Anteil auf mehr als 50% hochgeschraubt werden müssen. Das sieht eine Sondervereinbarung zwischen der Regierung und Sewerstal-Awto über sog. industrielle Kfz-Fertigung vor. Sie sieht bei der Einfuhr von benötigten Fahrzeugteilen einige Zollvergünstigungen (reduzierte Importzölle) vor. Im Gegenzug verpflichtet sich der Fahrzeughersteller, den Anteil der in der Produktion eingesetzten Teile aus lokaler Fertigung innerhalb einiger Jahre deutlich auf über die Hälfte aufzustocken.

Die russische Zulieferindustrie ist heute jedoch kaum in der Lage, die benötigte Qualität zu liefern. Der vereinbarte Lokalisierungsanteil wird deshalb nur dann erreicht werden können, wenn sich genügend (ausländische) Investoren finden, die sich in der Branche direkt engagieren. "Wo könnte man das besser, als bei uns", wirbt Schagiwalejew für den Standort "Alabuga". In Tatarstan arbeiten schließlich zwei der größten russischen Hersteller von Kunststoffen, von Material, das für die Produktion von vielen Kfz-Teilen benötigt wird. Die kurzen Bezugswege stellten einen Kosten- und Wettbewerbsvorteil dar. Außerdem sind alle großen Automobilhersteller Russlands, ob AwtoWAZ, Kamaz oder GAZ, nicht mehr als 400 km von "Alabuga" entfernt, sagt Schagiwalejew.

Und neue potenzielle Kunden der Zulieferindustrie kommen nun in Tatarstan selbst hinzu. Es ist nicht nur Sewerstal-Awto mit seiner Fiat-Ducato-Montage. Zurzeit wird außerdem mit einem weiteren Automobilhersteller über einen Einstieg in "Alabuga" verhandelt. Es handelt sich um das Unternehmen Great Wall Motors (VR China), das nach einem Produktionsstandort für rund 50 000 Fahrzeuge pro Jahr in Tatarstan sucht. All das könnte "Alabuga" bald in ein kleines russisches "Detroit" verwandeln, hofft Schagiwalejew. Abgesehen davon könnten sich dort aber auch die Flugzeug- und Weltraumindustrie, die Holzbearbeitung und einige Sparten des Maschinenbaus ansiedeln.

Auch die Zone "Kazinka" im Gebiet Lipezk kommt beim Bau der Infrastruktur gut voran, sagt Wladimir Lawrentjew, Leiter der dortigen Zweigstelle der Föderalen Agentur für Sonderwirtschaftzonen. Parallel dazu haben bereits vier Investoren damit begonnen, ihre Vorhaben in der Sonderwirtschaftszone zu realisieren. So will das italienische Unternehmen Sest-Luve Anfang 2007 seine Fertigung von Wärmetauschern und Kondensatoren für Kühlschränke in "Kazinka" aufnehmen. In nächster Nähe arbeitet der italienische Haushaltsgerätehersteller Indesit. Auch dieses Unternehmen erwägt nach Auskunft von Lipezk-Vertretern, sich in der Sonderwirtschaftszone anzusiedeln.

Eine umfangreiche Investitionsvereinbarung ist ferner mit den Unternehmen Bioethanol (Gruppe Winogradow) abgeschlossen worden. Es geht um den Bau eines Werkes für Biokraftstoffe, das über 80 Mill. Euro kosten soll. Eine weitere Vereinbarung sieht die Errichtung einer Fabrik für Glasverpackung für den Bedarf der Nahrungsmittel-, der Chemie- und Medizinindustrie durch das russische Unternehmen Tschagodischinskij Stekolnyj Zawod - Lipezk vor. Die Investitionen werden sich auf etwa 38 Mill. Euro belaufen. Der vierte Investor ist das Unternehmen Belon-Metakon, das rund 15 Mill. Euro in die Produktion von Sandwichpaneelen und Siding-Elementen in der Zone "Kazinka" stecken will.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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