Qualitätsprobleme
Chinas Ärger erfreut Taiwans Industrie

Die jüngsten Qualitätsprobleme chinesischer Hersteller wecken in Taiwan die Hoffnung auf neue Geschäfte, das Interesse ausländischer Firmen wächst stetig. Taiwan lockt mit höheren Qualitätsstandards – die Insel hat ihr Image als Billigproduzent hinter sich gelassen.

TAINAN. „Hier gibt es bessere Zulieferer, gute Qualität und Patentschutz“, sagt Chin-Yao Tsai, Präsident der Firma E-Ton Solar, eines rasant wachsenden Herstellers von Solarzellen aus Taiwan. Das zähle inzwischen für internationale Firmen wieder mehr als nur „billig, billig, billig“. Chinesische Konsumgüterhersteller waren zuletzt durch massive Qualitätsprobleme in die Schlagzeilen geraten. So musste der weltgrößte Spielwarenhersteller Mattel seit Juli mehr als 21 Millionen Produkte aus dem Verkehr ziehen, weil sie bleihaltige Farbe oder kleine Magneten enthielten, die Kinder leicht verschlucken können. Ein Großteil der Ware stammte aus China. Der E-Ton-Manager beobachtet deshalb ein Umdenken in der Welt AG: „Die ersten Hersteller kommen bereits nach Taiwan zurück.“ Im nahen Industriepark von Tainan bestätigt Sheng-Tsair Sheu diesen Trend. Es gebe wieder deutlich mehr Interesse ausländischer Firmen, sagt der Vizechef des Southern Taiwan Science Park, eines riesigen Areals, auf dem bereits über 200 Firmen angesiedelt sind. „Erst vor wenigen Tagen war eine russische IT-Firma hier, die in Tainan eine Fabrik eröffnen will.“

Natürlich bleibe die Standort-Konkurrenz zum Rivalen China auch in Zukunft groß, gibt sich der Investoren-Werber realistisch. Aber Qualität und Rechtsrahmen seien in Taiwan besser und vor allem garantiert: „In China weiß man doch nie, ob sich die Regeln über Nacht ändern.“ In den kommenden fünf Jahren soll sich der Umsatz der im Tainan-Park angesiedelten Firmen auf 30 Mrd. Dollar verdoppeln. Auch die Solarfirma E-Ton plant eine Produktion in der aufstrebenden Stadt im Norden des Landes. Denn das Unternehmen will nicht nur mit Sonnenenergie wachsen. E-Ton will als erster Hersteller der Welt ein Hybrid-Fahrrad auf den Markt bringen. Solch ein Gefährt habe in China große Marktchancen, ist Chef Tsai überzeugt. „Aber die Produktion bleibt in Taiwan.“ In China werde eine solche Neuentwicklung sofort kopiert, ist der Manager überzeugt. Zudem müsse ein neues Produkt vor allem von bester Qualität sein. „Warum sollen wir da nach China gehen?“

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