Ratgeber
Wenn die Zweitbank für Entscheider wieder zählt

Der Wind an den Geld- und Kapitalmärkten ist rau geworden für Unternehmer. Höchste Zeit für Entscheider, bisher vernachlässigte Bankbeziehungen neu zu beleben. Denn manche Hausbank zieht die Daumenschrauben an.

DÜSSELDORF.Höhere Zinssätze, zusätzliche Kreditsicherheiten und vor allem das Gefühl mangelnder Wertschätzung (Zitat seines Kundenberaters: "es sind eben schwierige Zeiten") - so lässt sich die derzeitige Situation zwischen Arnold V. und seiner Hausbank beschreiben.

Wie viele andere Unternehmer auch verlässt sich der Inhaber eines mittelständischen Betriebs bereits über viele Jahre hinweg beinahe ausschließlich auf ein einziges Kreditinstitut, mit dem er nahezu sämtliche Bankgeschäfte abwickelt. Die Rolle seiner Zweitbank beschränkt sich - überspitzt gesagt - auf die Namensnennung im Briefpapier.

Nun, in der Krise, hat der Unternehmer allerdings erkannt, dass es nicht schaden kann, sich auch einmal näher mit seiner bisherigen Nebenbankverbindung zu befassen. Dazu hat er seinen Steuerberater erst einmal um eine Bestandsaufnahme der mit den beiden Kreditinstituten bisher getätigten Geschäfte gebeten. Resultat: Zwar stellen beide Banken jeweils einen Überziehungskredit zur Verfügung, der aber - und das überrascht V. - bei seiner Hausbank lediglich um 0,5 Prozent niedriger verzinst werden muss als bei der Zweitbank.

Immerhin ist dieser Überziehungskredit bei der Hausbank im Gegensatz zu deren Konkurrenz, die bisher keine ausdrückliche Sicherheit verlangt, mit einer werthaltigen Grundschuld abgesichert, so dass V. hier eigentlich mit einem niedrigeren Kreditzinssatz gerechnet hätte. Darüber hinaus lassen auch die Investitionsdarlehen nicht erkennen, welche Bank als Erst- und welche als Zweitbankverbindung gilt. Während die Hausbank zwei Darlehen über insgesamt 360.000 Euro bereitstellt, gewährt das zweite Kreditinstitut ein weiteres Darlehen über 130.000 Euro.

Auch hier gilt, dass die Absicherung der Hausbank von besserer Qualität ist als jene der Zweitbank. Immerhin war V. seinerzeit hier nämlich bereit, neben einer weiteren Grundschuld mit einer zusätzlichen Bürgschaft für die Rückzahlung seiner Verbindlichkeiten zu garantieren. Die Absicherung der 130.000 Euro besteht dagegen ausschließlich aus der Abtretung eines Teils seiner Kundenforderungen sowie aus der Verpfändung seiner Betriebsausstattung. Auffällig ist darüber hinaus, dass sich das Auskunftsverhalten der Zweitbank auch während der vergangenen Monate nicht geändert hat. Außer den monatlichen betriebswirtschaftlichen Auswertungen verlangt sie nach wie vor keine weiteren Unterlagen.

Alles in allem scheint es also, diese Vermutung liegt für V. nun nahe, dass es zwischen den beiden Banken offensichtlich Unterschiede in der Beurteilung seiner Kreditwürdigkeit gibt, die V. jedoch eher zu Gunsten seiner langjährigen Hausbank gesehen und vermutet hätte - wohl zu Unrecht. Diese Bestandsaufnahme hat den Unternehmer zwischenzeitlich veranlasst, auch einmal die Kosten der sonstigen Geschäftsverbindung beider Kreditinstitute genauer als bisher prüfen zu lassen.

Daraufhin hat seine Hausbank mittlerweile reagiert und sich nach den Gründen für diese umfangreiche Bestandsaufnahme erkundigt. Zum ersten Mal seit Beginn der Finanzkrise wurde V. dabei auch die Frage gestellt, ob er denn mit "dem Beratungsservice unseres Kreditinstitutes nicht mehr zufrieden" sei. Derartige versöhnliche Töne war V. in der Tat lange Zeit nicht mehr gewohnt. Neben seinen geschäftlichen Aktivitäten denkt der Unternehmer nun zudem darüber nach, seine umfangreichen privaten Geldgeschäfte einschließlich der diesbezüglichen Dispositionen seiner Familie "unter die Lupe" zu nehmen und gegebenenfalls neu zu ordnen.

Auch hier besitzt die Hausbank bisher einen erheblichen "Heimvorteil", da außer kleineren Geldanlagen und diversen Wertpapierdepots für die beiden Kinder sämtliche Vermögenswerte dort angelegt sind. Das gilt ebenfalls für ein Investmentkonto, in das V. seit fast 20 Jahren einen monatlichen Betrag von 1.550 Euro einzahlt, um damit später seine finanzielle Altersvorsorge abzusichern. Leider gilt aus der Sicht von V. auch hier, dass diese Aktiva im Hinblick auf die Gesamtverbindung zu seiner Hausbank offenbar keinerlei Bedeutung besitzen. Auf die zuletzt eher fordernden Töne seines Bankpartners hatten sie jedenfalls keinen Einfluss.

Zweitbankverbindung nicht unterschätzen Der raue Wind an den Geld- und Kapitalmärkten kann Unternehmer durchaus dazu zwingen, bisher vernachlässigte Bankbeziehungen neu zu beleben.

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