Rating bei Banken
Vorsicht zahlt sich aus

Mittelständische Unternehmen können durch „Risk Management“ ihre Ratings bei den Banken erheblich verbessern. Allerdings kennen viele Firmen ihre eigenen Risiken noch viel zu wenig. Zu diesem Befund kommt die ASW (Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft e. V.) in ihrem diesjährigen Sicherheitslagebericht.

FRANKFURT. „Viele Betriebe wollen neue Märkte erschließen, ohne die Gefahren zu bedenken“, sagt ASW-Geschäftsführer Dr. Berthold Stoppelkamp. „Auslandsengagements und Offshoring-Prozesse verstärken das Risiko von Wirtschafts- und Produktspionage, Markenpiraterie, Entführung von Mitarbeitern und Erpressung.“

„Die Gefahr wird unterschätzt“, bestätigt Oliver Everling, Geschäftsführer der Rating Evidence GmbH. Der Ratingexperte sieht jedoch in der Systematisierung der Risikomessung eine große Herausforderung. „Die Unternehmen lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Das spezifische Risiko einer Unternehmung muss auch verstanden werden“, so Everling.

Während Aktiengesellschaften Sicherheit nachweisen und kontinuierlich ihre Bonität überwachen müssen, handhaben mittelständische Betriebe ihr Risikomanagement sehr unterschiedlich. So veröffentlicht das Technologieunternehmen Zeppelin GmbH bereits regelmäßig einen Risikobericht als Ergänzung zum controllingorientierten Berichtswesen. Das Risikomanagement wird von externen Wirtschaftsprüfern analysiert. Die Transparenz zahlt sich aus: „Wir erzielen kontinuierlich bessere Ratingnoten“, sagt Zeppelin-Geschäftsführer Alexander Bautzmann. Die Creditreform Rating AG bewertet Zeppelin mit „A+“.

Der große Einfluss der Risiken auf das Rating sei vielen mittelständischen Betrieben nicht bewusst, sagt Roland Demmel, Partner Financial Risk Management bei KPMG. „Dabei müssten sie sich im Klaren darüber sein, dass jede Bank gehalten ist, die Qualität der Unternehmensprozesse nachzufragen.“ Denn mit Einführung der neuen Eigenkapitalrichtlinien nach „Basel II“ werden Banken nicht nur Finanzkennzahlen, sondern auch qualitative Faktoren im Unternehmen analysieren.

Die neuen Kreditrichtlinien verankern das Risiko-Reporting fest in der Managementverantwortung. Demmel: „Mittlerweile verfügen fast alle Banken über eigene Rating-Tools mit denen sie Unternehmensprozesse auch nach qualitativen Kennzahlen bewerten können.“ Damit folgen die Banken dem KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich), das auch Unternehmensleitungen von Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) und Kommanditgesellschaften zum Risikomanagement verpflichtet. Doch in der Praxis wird gespart, zum Beispiel an Entführungsversicherungen, die seit Inkrafttreten des KonTraG 1998 erlaubt sind. „Gerade in mittelständischen Unternehmen sind Ausgaben für Sicherheit ein Problem,“ sagt Jörg Trauboth, Oberst a. D. und Gründer der Firma Trauboth Risk Management. Viele Geschäftsreisende seien ohne jegliches Risikobewusstsein in Ländern mit angespannter Sicherheitslage unterwegs. Die Hemmschwelle, in diese Länder zu reisen, sei extrem gesunken. Immer häufiger wird der ehemalige Tornado-Flieger bei Entführungen auch in Osteuropa zu Hilfe gerufen. Die betroffenen Firmen bezahlen ihren Leichtsinn nicht selten gleich dreimal: mit hohen Lösegeldsummen, einem schlechteren Rating bei den Banken und damit höheren Zinsen für Kredite.

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