Rauchverbot in Gaststätten
Leerer Aschenbecher

Die meisten deutschen Gaststätten, über 5 000 an der Zahl, lehnen ein Rauchverbot ab, weil sie Umsatzverluste befürchten. Mit Nicht-Raucher-Plätzen versuchen sie das Gesetz noch zu kippen. Dabei sind die Erfahrungen im Ausland durchweg positiv.

PARIS / NEW YORK. Das Safari, ältestes Erotik-Cabaret im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli, macht es. Das Gourmet-Restaurant Tante Anna in der Düsseldorfer Altstadt macht es und das rustikale Gasthaus Zum Franziskaner im Münchner Zentrum ebenso - wie über 5 400 gastronomische Betriebe in Deutschland.

Alle haben sich der Selbstverpflichtungskampagne des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) angeschlossen und reservieren schon heute über 30 Prozent ihrer Plätze für Nichtraucher. Auf diese Weise hoffen sie, ein gesetzliches Rauchverbot, wie es seit einiger Zeit schon in etlichen anderen europäischen Ländern gilt, noch verhindern zu können. "Ein gesetzliches Verbot wäre der Dolchstoß für die vielen kleinen Eckkneipen in unserem Land und würde Tausende Arbeitsplätze kosten", so Dehoga-Präsident Ernst Fischer, "wir brauchen keine Nikotinpolitessen und setzen uns für mehr Markt und weniger Staat ein."

Seit die Bundesrepublik im Streit um das europäische Tabakwerbeverbot eine Niederlage zu erwarten hat, tobt hierzulande eine Debatte um den Nichtraucherschutz. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Umsetzung der EU-Richtlinie zum Werbeverbot, Berlin plant darüber hinaus ein umfassendes Nichtraucherschutzgesetz (siehe Kasten Seite 57). Die gemeinsame Initiative von Verbraucher- und Gesundheitsministerium wird nicht nur von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt, auch mehr als 140 Bundestagsabgeordnete aller Parteien fordern in einem Gruppenantrag ein totales Rauchverbot: in Schulen, Behörden, Zügen der Deutschen Bahn und Gaststätten.

Vorbild für den Nichtraucherschutz in Europa sind die USA. Nur in 12 der 50 Bundesstaaten gibt es keine Einschränkungen für Raucher, mehr als 2 000 Städte haben das Rauchen dagegen mehr oder weniger drastisch eingeschränkt, die schärfsten Rauchverbote gelten in New York City. Auch dort gab es zunächst Proteste gegen das von Bürgermeister Michael Bloomberg im März 2003 durchgesetzte generelle Rauchverbot in Kneipen, Bars und Restaurants. Raucher sahen darin einen Eingriff in die persönliche Freiheit, die Gastronomie befürchtete Umsatzeinbußen. Nach der Einführung flüchteten manche Hardcore-Raucher zunächst zum Ausgehen hinüber nach New Jersey. In Hoboken, gleich auf der anderen Seite des Hudson River, meldeten die Restaurants und Bars kurz nach Inkrafttreten des New Yorker Rauchverbots steigenden Publikumsverkehr.

Doch inzwischen haben sich die New Yorker Pistengänger längst mit dem Rauchverbot arrangiert: Wer dem blauen Dunst noch immer nicht abgeschworen hat, der raucht eben im Freien - zumindest im Sommer: Auf der Dachterasse des Gansevoort Hotel oder in Biergärten wie dem Loreley, einer deutschen Kneipe in der Rivington Street, sind die kleinen Raucherbereiche proppenvoll. Was auch seine Vorteile hat: Nirgendwo lernt man leichter neue Leute kennen als vor den angesagten Bars oder Restaurants bei der Rauchpause.

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