Raus aus der Krise
Der Exportweltmeistertrainer

Deutschland sitzt in der Krise - und sucht den Supermann, der Opel rettet, Schaeffler rettet und überhaupt alle Arbeitsplätze. Michael Pfeiffer will helfen. Er führt die Geschäfte von "Germany Trade & Invest", kurz GTAI. Wie der oberste Wirtschaftsförderer der Bundesregierung deutsche Unternehmen auf den Pfad alter Tugenden zurückführen will.

KÖLN. Deutschland sucht den Supermann. Den Helden, der das Land aus der Krise holt. Der Opel rettet und Schaeffler und all die Arbeitsplätze. Erstmals seit 50 Jahren lauern allerorten fiese Minuszeichen. Es braucht endlich den, der sie mit einem einzigen Hitzeblick auslöscht, der die Faust in die Höhe streckt, den roten Retterumhang um die Schultern geschlungen.

Herein kommt Michael Pfeiffer. Über seinen Schultern hängt ein dunkelblaues Sakko. Kein figurbetonter Anzug zwar, Pfeiffer weiß sich einzuschätzen. Aber immerhin sind seine 1,90 Meter kein schlechtes Maß für einen Helden. Pfeiffer ist keine amerikanische Erfindung, sondern Deutscher. Ein Mann mit hoher Stirn und dunklen Brauen. Er ist an diesem Dienstag nach Köln gekommen, um sein Land auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Pfeiffer ist jetzt eine Art Exportweltmeistertrainer.

Seit dem 1. Januar führt er die Geschäfte von "Germany Trade & Invest", kurz GTAI, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesregierung. Nun sitzt er in einem nüchternen Raum in der Kölner Südstadt vor einer Handvoll Menschen und erklärt, wie Deutschlands Firmen sich aus der Krise herausexportieren können. Pfeiffer hat eine Zahl mitgebracht, die Mut machen soll: 1500000000000 Euro. In Worten: 1,5 Billionen Euro. So viel wollen jetzt 14 Länder von Amerika über Polen bis Kasachstan demnächst in Straßen, Brücken, Zuglinien und Bürohäuser stecken. Das haben Pfeiffers Mitarbeiter ausgerechnet.

Let's go, holen wir es uns!, würde Supermann sagen. Pfeiffer sagt, derartige "Volumina" seien "sehr interessant" für deutsche Mittelständler, und linst über seine Lesebrille hinweg. 1,5 Billionen Euro. Das soll er sein, der Rettungsring, der Krisengeplagten neue Hoffnung bringt.

Michael Pfeiffer ist noch ein Stückchen Staat, das etwas für die Wirtschaft tun will. Einer in einer langen Schlange Gutwilliger. Sie ist derzeit so lang, dass wohl selbst Superman eine ganze Weile bräuchte, um von ihrem Anfang zu ihrem Ende zu gelangen. Von Angela Merkel, Frank-Walter-Steinmeier, Peer Steinbrück bis zu ... - ja wem eigentlich?

Pfeiffer reiht sich da ein, schon von Amts wegen. Deshalb hat er laden lassen in diesen Saal im fünften Stock in Köln, um auf "Chancen in der Krise" zu blicken. Die Chancen sehen aus wie Dächer der Nachbargebäude, wie Regenwasserbäche, die an den Scheiben herunterrinnen. Wie Rezessionswetter.

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