Raymond Ackerman
Unaufhaltsamer Aufstieg eines Gentlemans

Raymond Ackermann gibt sich betont bescheiden, korrekt und herzlich - Konkurrenten haben dies schon zum eigenen Nachteil mit Weichheit verwechselt. Der 78-Jährige hat mit Pick ´n Pay eine der größten Supermarktketten Südafrikas geschmiedet, der Jahresumsatz liegt bei mehr als fünf Milliarden Euro. Jetzt folgt die nächste Generation.
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JOHANNESBURG. Keiner schüttelt Hände mit mehr Hingabe als Raymond Ackerman. Selbst Journalisten begrüßt der Gründer von Südafrikas zweitgrößter Supermarktkette Pick n Pay mit geradezu überschwänglicher Herzlichkeit. Es ist eine Lehre, die er früh von seinem Vater Gus lernte. "Wer nicht höflich ist, hat vom Einzelhandel nichts verstanden", sagte der zum Filius, als dieser 1951 nach dem Studium an der Universität Kapstadt in der vom Vater gegründeten Textilhandelskette Ackermans seine ersten Sporen verdiente.

Der heute 78-jährige gilt wegen seiner Zurückhaltung und seines korrekten Benehmens als perfekter Gentleman - ein Image, das mancher Konkurrent zum eigenen Nachteil mit Weichheit verwechselte. Denn kaum jemand verfolgt ein Ziel mit ähnlicher Beharrlichkeit wie der große Mann des südafrikanischen Einzelhandels.

Viele Kontrahenten unterschätzen den zähen Kämpfer

Wenn Ackerman im nächsten Jahr den Vorsitz der in Familienhand befindlichen Kette an seinen ältesten Sohn Gareth, 52, weiterreicht, geht nicht nur für Pick n Pay sondern für Südafrika eine Ära zu Ende. Kaum ein anderer Geschäftsmann ist am Kap ähnlich bekannt wie der schmächtige Herr mit der sanften Stimme, der Pick n Pay seit über 40 Jahren quasi im Alleingang führt - und aus dem Nichts zur zweitgrößten Supermarktkette hinter dem alten Erzrivalen Shoprite in Afrika gemacht hat.

Gerne erzählt Ackerman noch heute die Geschichte wie er Pick n Pay im Jahre 1967 mit 35 Jahren startete - an einem beruflichen wie privaten Tiefpunkt. Völlig überraschend wird der in der Branche bereits bekannte Aufsteiger von seinem damaligen Arbeitgeber Greatermans entlassen, für den er dessen 85 Checkers-Filialen managt. Seine innovativen Ideen, die er von seinen Reisen in den USA mitbringt, bescheren ihm zwar viele Bewunderer aber auch Neider, darunter den neu ernannten Junior-Chef der Greatermans-Gruppe, der selbst um Aufmerksamkeit buhlt.

Ackerman steht plötzlich auf der Straße - mit seiner kleinen Pension und einer Frau, die mit dem vierten Kind schwanger ist. Obendrein stirbt im gleichen Jahr ebenso unerwartet sein Vater. Doch statt das Land zu verlassen, was er erwägt, kratzt Ackerman bei über 50 Freunden genügend Kapital zusammen, um vier kleine Läden zu kaufen, die damals in Kapstadt zum Verkauf stehen - und unter dem Namen Pick n Pay firmieren. Im nachhinein erweist sich die Lebenskrise als Glücksfall: "Vermutlich hätte ich mich nie selbstständig gemacht, wenn es diesen Moment nicht gegeben hätte" sagt er heute.

Expansion verlief keineswegs reibungslos

Für seine neuen Geschäftspartner soll sich das Vertrauen lohnen: Schon ein Jahr später geht das Unternehmen an die Börse. Heute beschäftigt Pick n Pay in fast 500 Läden über 30 000 Mitarbeiter; der Umsatz liegt bei mehr als fünf Mrd. Euro. Es ist eine der großen unternehmerischen Erfolgsgeschichten am Kap in den letzten 50 Jahren.

Allerdings verläuft die Expansion keineswegs reibungslos: Der ewige Konkurrent Checkers und das später daraus hervorgegangene Shoprite zetteln gegen den Neuling einen gnadenlosen Preiskampf an, der Ackerman immer wieder um die Existenz bangen lässt. Ein Freund aus dem Militär gibt ihm den Rat, einen Krieg stets an mehreren Fronten zu führen - und Ackerman reagiert prompt: Obwohl er seine Kette eigentlich auf die Region um Kapstadt beschränken will, eröffnet er nun auch im Landesinneren weitere Filialen.

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