Rechnungslegung
Fordern Banken IFRS-Abschlüsse?

Die Frage ist umstritten: Bringt die Bilanzierung nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IFRS einem mittelständischen Unternehmen Vorteile bei der Kreditvergabe durch die Banken?

Eine aktuelle Befragung unter 1 500 Banken und Sparkassen zeigt ein gemischtes Bild: Bei den meisten Instituten ist dies zwar kein ausschlaggebendes Kriterium. Zugleich sehen die Studienautoren aber die Behauptung widerlegt, dass die Vorlage eines IFRS-Abschlusses keinen Vorteil mit sich bringe.

Autoren dieser Studie sind Henning Zülch, Professor an der Handelshochschule Leipzig (HHL), und Edgar Löw, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Sie haben versucht, den Zusammenhang zwischen Bilanzierungsstandard und Kreditvergabe zu beleuchten. Knapp zwölf Prozent der Befragten gaben an, die Wahrscheinlichkeit einer Kreditvergabe an ein Unternehmen werde durch Umstellung auf IFRS positiv beeinflusst. Rund 28 Prozent sind in dieser Frage unentschlossen. Mit 60 Prozent ist das jedoch für die große Mehrheit der Banken kein Argument. Allerdings könne damit nachgewiesen werden, so heißt es in der dem Handelsblatt exklusiv vorliegenden Studie, dass immerhin ein Teil der Banker mit positiven Effekten durch IFRS rechnen.

Die Autoren wollten zudem wissen, ob die Kreditkonditionen möglicherweise positiv von einer IFRS-Bilanz beeinflusst werden. Auch wenn sie einräumen, dass die Rechnungslegung nur die Darstellung, nicht aber „die wirtschaftliche Situation selbst verändert“. Das Ergebnis der Studie: Keine fünf Prozent der Befragten gaben an, dass es durch IFRS-Berichterstattung zu besseren Konditionen komme. Interessant ist allerdings ein Blick in die Details. Die Studie differenziert auch nach Kenntnissen der Banker über die internationale Rechnungslegung. Bereinigt um diejenigen, die nach eigener Einschätzung keinerlei Wissen über die internationale Rechnungslegung haben, ergibt sich dadurch ein anderes Bild. Dann gehen 41 Prozent der Befragten von besseren Konditionen durch IFRS-Bilanzen aus. „Mögliche Vorteile durch einen IFRS-Abschluss sind also nicht von der Hand zu weisen“, resümieren die Autoren.

Löw und Zülch sehen die Probleme mit dem Wettbewerb zwischen HGB und IFRS aber auch bei den Kreditinstituten. Ein „erheblicher Teil“ der Institute habe Probleme, mit der „rasanten internationalen Entwicklung im Bereich der Rechnungslegung Schritt zu halten“. Konkret heißt das wohl, dass es bei Volksbanken oder Sparkassen, den klassischen Hausbanken des Mittelstands, Nachholbedarf in Sachen internationale Rechnungslegung gibt.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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