Rechtsausschuss des Bundestages
Mittelstand hält wenig von Fair Value

Ja zur Reform des Handelsrechts, nein zur Fair-Value-Bewertung - so bewerten Experten die Entwürfe zum Bilanzrecht-Modernisierungsgesetz. Während einer Anhörung im Bundestag äußerten sie grundsätzliche Bedenken - und warnten vor erheblichen Nachteilen für den Mittelstand.

BERLIN/DÜSSELDORF. Das Bilanzrechts-Modernisierungsgesetz (BilMog) muss nach Ansicht von Steuerexperten aus Wissenschaft und Praxis nachgebessert werden. Das ist das Ergebnis einer Anhörung von Sachverständigen im Rechtsausschuss des Bundestages am Mittwoch in Berlin. Vor allem die für den Mittelstand sehr wichtige Fair-Value-Bewertung sollte vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise und der sich daraus entwickelnden schlechten wirtschaftlichen Situation im kommenden Jahr nochmals überdacht werden, so die Meinung einiger Experten.

Auf die mittelständischen Unternehmen kommen ab dem 1. Januar 2009 erhebliche Änderungen im Bilanzrecht zu, wenn das Gesetz mit dem sperrigen Namen in Kraft tritt. Das BilMog ist eine abgespeckte Version der International Financial Reporting Standards (IFRS) und die umfassendste Änderung des Handelsrechts seit 20 Jahren. Die Sachverständigen lobten gestern fast durchweg grundsätzlich das Gesetzesvorhaben, das mit den internationalen Rechnungslegungsstandards gleichwertig, aber wesentlich kostengünstiger sein wird.

Skeptisch sahen einige Experten aber vor allem die sogenannte Fair-Value-Bewertung, die in das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) Einzug halten und auch für mittelständische Unternehmen gelten soll. "Gegen die Aufnahme der Fair-Value-Bewertung ins HGB haben wir grundsätzlich Bedenken", sagte der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, Horst Vinken. Im Hinblick auf die Finanzmarktkrise solle von der Aufnahme in das HGB auf jeden Fall abgesehen werden. Klaus-Peter Naumann vom Institut der Wirtschaftsprüfer sagte: "Wir weisen darauf hin, dass das strikte Umwidmungsverbot der internationalen Regelungen zurzeit von vielen Seiten kritisch hinterfragt wird."

Was bedeutet die Fair-Value-Bewertung? Danach müssen Finanzmarktinstrumente, wie etwa Anleihen oder Aktien, in der Bilanz zu Marktpreisen bewertet werden - mit weitreichenden Konsequenzen: Gehen die Kapitalmärkte nach oben, stehen in den Büchern gewaltige Gewinne. Stürzen die Börsen ab, sind erhebliche Abschreibungen fällig.

Besonders betroffen waren in letzter Zeit US-Banken, die durch dieses Auf und Ab pleitegingen. Die internationale Rechnungslegung IFRS erzwang eine Bewertung zu Marktpreisen. Durch den Kollaps der US-Immobilienfinanzierung gab es aber inzwischen für viele Papiere praktisch keinen Markt mehr. Kreditverbriefungen beispielsweise, mit denen Banken weltweit handelten, waren und sind zurzeit mehr oder weniger wertlos. Die Banken mussten milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. Inzwischen gibt es Sonderregeln, um solche Schrottpapiere vorübergehend in den Bilanzen umzubuchen. Nach dem Fair-Value-Prinzip müssen auch Industriekonzerne bilanzieren, wenn sie IFRS anwenden, was heute alle kapitalmarktorientierten Unternehmen tun.

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