Recycling von Kunststoffen
Neue EU-Verordnung ärgert Recycling-Firmen

In nahezu ganz Europa werden seit Jahren Lebensmittelverpackungen recycelt. Der Prozess unterliegt hohen Standards, die aufbereiteten Kunststoffe dürfen auf keinen Fall konterminiert sein. Nun hat die Firma Krones AG eine PET-Bottle-to-Bottle-Recyclinganlage entwickelt. Auf diese Weise reduzieren sie Kosten und reagieren auf eine neue EU-Verordnung.

KÖLN. Gemächlich trägt das Transportband die Plastikflasche zur Schneidmühle, wo scharfe Messer sie in kleinste Teilchen heckseln, „Flakes“ genannt. Aus den Flocken sollen neue Getränke-Flaschen werden. Das ist keineswegs einfach. Denn Kontaktmaterialien dürfen laut EU-Recht nicht auf Lebensmittel übergehen, und für wieder aufbereitete Kunststoffe gelten strenge Regeln. Bisher klappt das Recycling deshalb nur bei PET-Flaschen, die dank Rücknahme-Pflicht des Handels fast sortenrein zum Recycler zurückkommen.

Die Krones AG hat jetzt eine solche PET-Bottle-to-Bottle-Recyclinganlage für Converter und Abfüller entwickelt. Sie bereitet den Kunststoff wieder auf, ohne ihn zu schmelzen. Auf diese Weise reduziert sie Rohstoffkosten. „Die Qualität der recycelten Ware ist jedoch genauso hoch wie jene nach einer Schmelzung“, betont Thomas Friedlaender, Leiter der Krones-PET-Recyclingabteilung.

Die Anlage verarbeitet 500 bis 1 000 Kilo PET pro Stunde. Zunächst recycelt sie nach dem bekannten Schema: Die Flakes werden eingeweicht, Etiketten und Schmutz zuerst abgekratzt und dann mit einer heißen Laugenlösung abgewaschen. Heißes Wasser spült Leimreste und Rückstände fort. Das eigentliche Geheimnis der neuen Krones-Anlage liegt in der „Dekontaminierung“. In zwei Heizschritten bereitet Krones den Kunststoff auf, mit einer Temperatur unter dem Schmelzpunkt. „Wie hoch sie genau ist, wird nicht verraten“, sagt Friedlaender.

Damit wäre die Krones-Anlage eine der ersten, mit der sich Recycling-Kunststoff energiesparend so reinigen lässt, dass wieder Lebensmittelverpackungen daraus werden dürfen. Denn die neue EU-Vorschrift macht Recyclern das Leben schwer. Die Behörden prüfen insbesondere, ob die Kunststoffe ordnungsgemäß zerkleinert und von Chemikalien gereinigt werden, bevor wieder Flaschen oder Joghurtbecher aus ihnen werden. So dürfen etwa Weichmacher in Polyvinylchlorid (PVC) nicht mehr nachweisbar sein. „Die Verordnung kommt mit ziemlicher Verspätung“, meint Frank Welle, stellvertretender Leiter der Abteilung Produktsicherheit und Analytik am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung.

Fast in ganz Europa habe man in den vergangenen Jahren bereits Lebensmittelverpackungen für hochwertige Anwendungen recycelt. Und das verantwortungsbewusst und unter Einhaltung höchstmöglicher Sicherheit, wie er und sein Team um seinen Chef Roland Franz herausgefunden haben. Von 1997 bis 2002 haben die Forscher europaweit Tausende gesammelte Polyethylenterephthalat(PET)-Flaschen untersucht, die für das Bottle-To-Bottle-Recycling vorgesehen waren. Lediglich zwischen 0,03 bis 0,04 Prozent davon waren kontaminiert. Die Substanzen waren nicht einmal besonders giftig.

Dabei ist das Recycling von Kunststoff gerade wegen der Verbraucher ein schwieriges Unterfangen: Es kommt beispielsweise vor, dass sie Motoröl in eine leere Flasche kippen, weil sie gerade nichts anderes parat haben. Danach geben sie die so kontaminierte Flasche zum Recyceln. Ganz schwierig werde es, wenn verschiedene Kunststoffe in einem einzigen Behältnis gesammelt würden: „Ganze Motorölflaschen landen in Sammelcontainern. Die restlichen Kunststoffe, die mit dem Öl in Berührung kommen, sind dann natürlich auch kontaminiert“, sagt Welle. Deshalb seien Pfandrückgabeflaschen für das Recyceln grundsätzlich besser geeignet. „Nach einer hoch technisierten Reinigung sind zumindest PET-Behälter aber unbedenklich“, versichert der Chemiker.

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