Refinanzierungsinstrument
Schuldscheine rücken in den Fokus

Die seit über einem Jahr anhaltende Krise an den Finanzmärkten hat ein altes deutsches Refinanzierungsinstrument wieder in den Fokus von Unternehmen und Investoren gerückt: Das Schuldscheindarlehen. Neben mittleren nutzen auch große Unternehmen die klassischen Refinanzierungsinstrumente.

FRANKFURT. Bis Mitte des Jahres gaben Unternehmen nach Schätzungen der italienischen Großbank Unicredit Schuldscheine über 13 Mrd. Euro aus. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr platziert wurden. Genaue Daten gibt es nicht, denn Schuldscheine sind privat platzierte Darlehen.

Wie bei Krediten von der Hausbank werden bei Schuldscheinen die Verträge bilateral zwischen Emittent und Kreditgeber aufgesetzt. Die Dokumentation ist jedoch anders als bei individuellen Krediten standardisiert. Dabei kann die Dokumentation nach Angaben der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sehr knapp gehalten werden und beschränkt sich im Wesentlichen auf die Pflichten der Vertragsparteien.

Die größten Emittenten von Schuldscheinen sind deutsche Bundesländer und Gemeinden. Unter den Unternehmen galten Schuldscheine lange Zeit nicht für große Konzerne, sondern vor allem für mittelständische Firmen als interessant, die ansonsten keinen Zugang zum Fremdkapitalmarkt haben. Denn für die Platzierung von Schuldscheinen brauchen Firmen – anders als bei Anleihen – keine externe Bonitätsbewertung von einer großen Ratingagentur. Außerdem können Schuldscheine schon in Volumina von 20 Mill. Euro platziert werden, bei Anleihen liegt das Mindestvolumen nach Angaben von Banken bei 100 Mill. Euro. Außerdem müssen die Emittenten bei Schuldscheinen nur gegenüber den Vertragspartnern Angaben zu den Finanzkennzahlen offenlegen, bei Anleihen gelten dagegen umfassende Publizitätsvorschriften.

Die Diskretion der Schuldscheine kommt laut Bankern vielen Mittelständlern entgegen. Außerdem sind sie zumindest von den Nebenkosten her günstiger als Anleihen. Die LBBW beziffert die Nebenkosten für ein Schuldscheindarlehen auf in der Regel ein halbes bis ein Prozent des Nominalwertes. Für die Platzierung müssen Konsortialbanken eingeschaltet werden. Bei Anleihen liegen die Nebenkosten – Gebühren für die Konsortialbanken, externe Bonitätsbewertung einer Ratingagentur und Zulassungskosten – laut LBBW bei bis zu 3,5 Prozent des Nominalwertes. Schuldscheine haben in der Regel Laufzeiten zwischen zwei und zehn Jahren. Die Transaktionen dauern laut LBBW von Gesprächsauftakt bis zur Platzierung nur etwa zehn Wochen.

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