Reform des Genossenschaftsrechts
Kleine Gründungswelle

Starteten in den Vorjahren meist zwischen 60 und 70 Genossenschaften neu, waren es im vergangenen Jahr 87. Allein im Januar 2007 kamen 17 hinzu. Grund für die kleine Gründungswelle ist die Reform des Genossenschaftsrechts. Denn mit ihr wird der Verwaltungsaufwand überschaubarer.

FRANKFURT. Als sich Horst Härtel als IT-Berater selbstständig machte, merkte er schnell, dass ihm die Kollegen fehlten. So bündelte er mit sechs weiteren Computerexperten im Jahr 2002 die Kräfte und gründete in München eine Genossenschaft namens 7-it. Heute gehören der IT-Genossenschaft 17 Berater oder deren Einzelfirmen an. Für knapp 100 mittelständische Kunden betreut das Unternehmen die Computersysteme.

„Eine ganze Menge Aufträge haben wir darüber bekommen, dass wir gemeinsam beim Kunden auftreten“, sagt Härtel, der der Genossenschaft vorsteht. Aber: „Der Gründungsaufwand war massiv.“ Nur schwer fanden sich die sieben Genossen – die damals gesetzliche Mindestzahl. Vorstand und Aufsichtsrat mussten gewählt, eine Satzung verabschiedet werden. „Für viele könnte der Verwaltungsaufwand hinderlich sein“, sagt Härtel.

Einiges dieses Aufwandes ist mit der Reform des Genossenschaftsrechts im Sommer vergangenen Jahres aber überflüssig geworden. So müssen sich nicht mehr sieben Genossen mühsam finden, drei reichen aus. „Die Neuerung ist auf jeden Fall eine wesentliche Verbesserung“, urteilt Härtel. Das meinen anscheinend auch andere: Beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband spricht man von einer „kleinen Gründungswelle“. Starteten in den Vorjahren meist zwischen 60 und 70 Genossenschaften neu, waren es im vergangenen Jahr 87. Und allein im Januar 2007 kamen 17 neue Genossenschaften hinzu.

Iris Kronenbitter, Leiterin der bundesweiten Gründerinnenagentur bga, wünscht sich noch mehr solcher Fälle. Sie hält gerade für kleinere Neugründungen, die bei Frauen häufig sind, die Genossenschaft für ein „attraktives Modell“. Ein Mindestkapital gibt es nicht, die persönliche Haftung kann ausgeschlossen werden. Und anders als bei der zeitweise umjubelten britischen Limited muss nicht nach britischen Standards bilanziert werden. „Die Vorteile sind noch zu wenig bekannt“, sagt Kronenbitter. Im Genossenschaftsverbund könnten gerade Kleinstgründerinnen ihre begrenzten personellen und finanziellen Kräfte besser kombinieren. Deshalb hält Kronenbitter auch für die oft schwierige Unternehmensnachfolge die Gründung einer Genossenschaft für interessant. „So können die Nachfolgerinnen das Finanzierungskapital bündeln.“

Manchmal zwingt auch das Vereinsrecht zur Gründung - wie bei der Dresdner Verbrauchergemeinschaft für umweltgerechte Produkte. „Irgendwann waren unsere drei Ökoläden so groß, dass es Schwierigkeiten mit dem Vereinsrecht gab“, sagt Vorstandsmitglied Jürgen Krötz. Also übertrugen sie die 100 000 Euro Vereinsanteile auf die neue eG. Weiteres Wachstum ist jetzt kein Problem mehr – und Entscheidungen können die drei Vorstände schneller treffen.

Seite 1:

Kleine Gründungswelle

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%