Regionale Banken
Die reumütige Rückkehr zur Hausbank

Ausländische Banken konnten heimische Unternehmer jahrelang mit Traumkonditionen locken. Nun kehren viele Firmen reumütig zurück zu ihrer Hausbank und setzen bei der Finanzierung wieder auf Banken aus ihrer Region. Diese knüpfen ihre Kreditvergabe oft an das Provisionsgeschäft.

FRANKFURT. "Heimkehrer" heißen im Bankenjargon derzeit die Unternehmen, die zuvor mit ausländischen Banken zusammengearbeitet haben und nun mit reduzierten Kreditlimits dort nach neuen Finanziers suchen. Sie müssen schon eine gute Bonität vorweisen, um neue Institute zu finden. Denn erst einmal konzentrieren sich die Banken in Deutschland derzeit auf ihre Bestandskunden. Sie sprechen von einer Renaissance der Hausbank, stellen aber klar: Kredit nur gegen Zusatzgeschäft

Mit dem Druck der Kreditbepreisung nach Firmenbonität, der stärkeren Nutzung von Kapitalmarktprodukten und dem Verbriefen von Kreditrisiken war seit Jahren vom Aufbrechen des Hausbankprinzips die Rede. In Zahlen nachweisen lässt sich dies nicht, schrieb die Bundesbank 2007 in einer Untersuchung. Denn viele kleine Unternehmen bleiben auf ihre lokale Hausbank als Kreditgeber angewiesen. Dennoch: Unternehmen klagen derzeit über fehlende Loyalität ihrer Hausbank, Banken über Zinshopping und Rosinenpicken ihrer Firmenkunden. Kommt nun wieder die Kehrtwende?

"Wir verzeichnen im Moment eine Entwicklung, dass gerade viele mittelständische, größere mittelständische Unternehmen wieder Finanzierungspartner in ihrer Region suchen - also praktisch zurückkommen zum Hausbankprinzip, das im Moment eine Art Renaissance erlebt", beschreibt der Hauptgeschäftsführer des für die Landes- und Förderbanken zuständigen Verbands Öffentlicher Banken, Karl-Heinz Boos.

Manches Unternehmen merkt, das weniger an Banken manchmal mehr ist. "Die Finanzkrise hat gezeigt, dass eine zu hohe Komplexität in den Bankenbeziehungen Lösungen für Unternehmen zum Teil erschwert oder sogar verhindert hat", sagt Ulrich Lenz, Mittelstandsexperte bei Ernst & Young. "In der Krise geht es wieder um gewachsene Bankbeziehungen." Die optimale Zahl an Banken hänge vor allem von der Größe und Komplexität des Geschäftsmodells des Unternehmens sowie seinem Internationalisierungsgrad ab. Aber selbst Unternehmen mit mehreren hundert Mio. Euro Umsatz sollten nicht mehr als drei, maximal vier Ankerbanken haben, sagt Lenz.

Und die Banken ihrerseits drängen auch auf stabile und durch Zusatzgeschäfte für sie profitablere Kundenbeziehungen. "Wir sind nicht mehr bereit, die sechste, siebte oder achte Bank bei einem Mittelständler zu sein", beschreibt der Vorstandschef der Hypovereinsbank, Theodor Weimer. "Wir wollen unter den ersten drei Banken sein." Sonst biete die Bank derzeit auch schon einmal aktiv an, sich aus einer Geschäftsbeziehung zurückzuziehen. Es könne nicht mehr sein, dass ein Unternehmer das Provisionsgeschäft etwa mit einer US-amerikanischen Bank betreibe und nur das Brot- und Buttergeschäft mit einer deutschen Bank. "Das werden wir nicht mehr akzeptieren", sagt Weimer.

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