Regionen im stärker im Fokus
Deutsche Investoren bauen Russland-Engagement aus

Russland gewinnt als Standort für ausländische Direktinvestoren zunehmend an Zuspruch. Das große Marktpotenzial, stabiles Wachstum und sich langsam verbessernde Rahmenbedingungen veranlassen immer mehr ausländische Unternehmen, ihre frühere Zurückhaltung abzulegen. Dabei ist ein neuer Trend zu beobachten.

MOSKAU.Der Zufluss an neuen ausländischen Direktinvestitionen nach Russland nimmt seit 2004 sprunghaft zu. Bis 2010 wird im Schnitt mit 22 Mrd. US$ pro Jahr gerechnet. Die deutsche Wirtschaft ist dabei traditionell ganz vorne dabei. Und der Trend zeigt weiter nach oben.

Siemens ist seit über 100 Jahren hier, Volkswagen wird in diesem Jahr folgen - als Investitionsstandort übt Russland nicht erst seit heute große Anziehungskraft auf die deutsche Wirtschaft aus. So viel Interesse wie jetzt scheint es jedoch noch nie gegeben zu haben. "Unternehmen, die sich nicht nur für den Exportmarkt sondern auch für Russland als Produktionsstandort interessieren, rennen uns derzeit geradezu die Türen ein", berichtet Andrea von Knoop, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation. Den Trend bestätigen auch andere Experten: Das Engagement deutscher Unternehmen in Russland - auch und vor allem aus dem Mittelstand - nimmt eindeutig zu, und die Volumina einzelner Projekte werden immer größer.

In der amtlichen russischen Investitionsstatistik ist dieser offensichtliche Trend jedoch kaum sichtbar. So soll sich der Gesamtbestand deutscher Direktinvestitionen Mitte 2006 auf magere 3 Mrd. US$ belaufen haben. Der Nettozufluss wird 2004 auf nur 8 Mio. $ und 2005 auf 164 Mio. $ beziffert. Bezogen auf den kumulierten Bestand seit dem Beginn der Erfassung in den 90er Jahren (Ende 2005: rund 50 Mrd. $) würde Deutschland damit Rang vier unter den wichtigsten ausländischen Investitionsländern belegen - nach Zypern (Ende 2005: 13,9 Mrd. $), den Niederlanden (16,2 Mrd. $) und den USA (4,4 Mrd. $).

Wie hoch die tatsächlichen deutschen Direktinvestitionen in Russland sind, weiß zwar niemand. Dass die amtliche Statistik nicht stimmen kann, darüber sind sich jedoch alle Beobachter der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen einig. "Wir schätzen, dass das deutsche Engagement in Russland um einige Milliarden höher ist", so von Knoop. Auch Uwe Kumm, Leiter des Moskauer Büros von Roland Berger Strategy Consultants bestätigt: "Nach allem, was wir beobachten, müssten die Zahlen wesentlich über den offiziellen Angaben liegen". Es gibt auch keinerlei Anzeichen dafür, dass irgendein größeres deutsches Unternehmen seine Investitionspläne für Russland nach unten revidieren oder sich gar aus Russland zurückziehen wollte.

Im Gegenteil: Ob Knauf, Metro, Bosch, Siemens oder Henkel - die meisten deutschen Unternehmen bauen ihr Engagement in Russland eher weiter aus. Und neue große Investoren aus Deutschland, wie etwa der Pkw-Konzern Volkswagen, der im Herbst 2006 mit dem Bau eines eigenen Montagewerkes in Kaluga beginnt, sind auf dem Weg. Gehörten bisher die Baustoffindustrie, die Nahrungsmittelbranche, der Handel und der Energiesektor zu den Schwerpunkten, so würden in den nächsten Jahren die Automobil- und die Automobilzulieferindustrie, der Banken- und Finanzsektor, die Chemiebranche und andere Industriezweige stärker im Fokus deutscher Investoren in Russland stehen, sagt Russland-Kenner Kumm.

Auch wenn Deutschland in der Investitionsstatistik nur an vierter Stelle steht: "Von allen, die sich derzeit in Russland umsehen, zählen deutsche Unternehmen ohne Zweifel zu den aktivsten", berichtet Michael Tsarev, Managing Partner für strategische Entwicklung bei KPMG Russland, von seinen Beobachtungen. In der Statistik nicht besonders sichtbar, aber sehr viel aktiver als früher sind inzwischen japanische Unternehmen, darunter auch Großkonzerne, in Russland geworden, berichtet der KPMG-Experte.

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