Reinhold Würth Der Schraubenkönig und seine Kongresshalle

Reinhold Würth spendiert seiner Heimat für knapp 60 Millionen Euro eine Kongresshalle. Der 80-jährige Patriarch des Schraubenhändlers versorgt eine ganze Region mit Wohltaten – allerdings nach seinem Gusto.
Reinhold Würth und seine Frau Carmen lassen neben dem Werksgelände eine Kongresshalle bauen. Quelle: PR
Spatenstich in Künzelsau

Reinhold Würth und seine Frau Carmen lassen neben dem Werksgelände eine Kongresshalle bauen.

(Foto: PR)

KünzelsauWenn Reinhold Würth sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es durch – auch wenn es etwas länger dauert. Seine Beharrlichkeit führt in der Regel zum Ziel. Vor über zehn Jahren hat er auf einem Blatt skizziert, wie er sich eine neue Kongress- und Kulturhalle, am besten noch mit angeschlossenem Museum, am Sitz seines Schrauben-Reiches in Künzelsau vorstellt.

Eigentlich sollte der Bau bereits 2007 beginnen. Doch dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise. Der Konzern verlor über eine Milliarde Euro Umsatz. Das Projekt wurde verschoben und abgespeckt. An seinem 80. Geburtstag in diesem April gab er dann endlich grünes Licht für das 58,5 Millionen Euro schwere Projekt.

Am Mittwoch erfolgte der Spatenstich des vom renommierten Architekturbüro Chipperfield entworfenen Baus auf dem Acker neben dem Stammsitz des Unternehmens in Künzelsau-Gaisbach im Nordosten Baden-Württembergs. Pünktlich zum 80. Geburtstag seiner Frau Carmen am 18. Juli 2017 soll das Forum fertig werden. Es trägt den Namen der Gattin. „So ganz neben der Kappe ist es nicht“, verteidigt Würth in der ihm eigenen Art sein Lieblingsprojekt. In der Kultur- und Kongresshalle könnten immerhin auch vierwöchige Hausmessen stattfinden, Mitarbeiterveranstaltungen oder kleinere Sportereignisse und Konzerte.

Die Fläche umfasst insgesamt etwa 11.000 Quadratmeter. Geplant sind eine Veranstaltungshalle, die für 2500 Sitzplätze ausgelegt ist, sowie ein Kammerkonzertsaal, der 500 Besucher fasst. Das Foyer und die Galerie bieten ebenfalls Platz für rund 500 Sitzplätze. Der Vorplatz vor dem Haupteingang dient als Forum für Freiluftveranstaltungen wie beispielsweise das jährlich stattfindende Würth Open Air für über 10.000 Menschen.

Die zehn größten Familienunternehmen Deutschlands
Die zehn umsatzstärksten Familienunternehmen
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In diesem Haus, Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck, nahm einst die klassische Erfolgsgeschichte eines Familienunternehmens seinen Anfang: Hier hatte die Familie Albrecht einen Tante-Emma-Laden, den die Söhne Theo und Karl Albrecht übernahmen. Sie expandierten und gründeten schließlich die Kette Albrecht-Diskont, kurz: Aldi. Familienunternehmen gelten wahlweise als Wirbelsäule oder Herzstück der deutschen Wirtschaft, 95 Prozent der deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen. Doch welche sind am erfolgreichsten? Das Institut für Familienunternehmer hat sich die Umsätze der Firmen angeschaut. Die zehn umsatzstärksten Unternehmen im Ranking.

Platz 10: Heraeus Holding
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Der Grundstein für die Heraeus Holding wurde 1851 in Hanau östlich von Frankfurt am Main gelegt. Dort hat die Holding auch mehr als 160 Jahre später noch ihren Firmensitz. Ihr geistiger Vater war Wilhelm Carl Heraeus, der in der seit 1660 im Familienbesitz befindlichen Einhorn-Apotheke eine einzigartige Methode zur Platinschmelze erfand, welche dem Unternehmen den Weg zum Erfolg ebnete. Heute ist die Holding ein weltweit operierender Technologiekonzern, 2013 mit einem Jahresumsatz von 17,4 Milliarden Euro, circa 13 Milliarden davon macht der Edelmetallhandelsumsatz aus.

Platz 9: Fresenius
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Auch das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius geht auf eine Apotheke zurück: auf die 1462 gegründete Hirsch-Apotheke, die im 18. Jahrhundert von der Familie Fresenius übernommen wurde. 1912 wurde aus der Apotheke ein Pharmazieunternehmen, das seinen Aufstieg vor allem dem erfolgreichen Vertrieb von Dialyse-Geräten und -Produkten in den 60er Jahren verdankte. 1996 wurde das mittlerweile weltweit größte Dialysegeschäft in das Tochterunternehmen Fresenius Medical Care (selbst Platz 20 im Ranking) ausgelagert. Die Fresenius SE & Co. KGaA weist einen Umsatz von 20,3 Milliarden Euro im Jahr 2013 aus.

Platz 8: Phoenix Pharmahandel
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Die Phoenix Gruppe, der größte Pharmahändler Europas, entstand in den 1990er Jahren. Der berühmte deutsche Unternehmer Adolf Merckle kaufte eine ganze Reihe regionaler Pharmagroßhändler und fasste sie 1994 zur von ihm gegründeten Phoenix Pharmahandel AG zusammen. 21,2 Milliarden Euro erwirtschaftete Phoenix 2013, derzeit versucht man das Geschäft in mehreren europäischen Ländern, beispielsweise in Frankreich und Großbritannien, weiter auszubauen.

Platz 7: Continental
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Deutschlands größter und Europas zweitgrößter Automobilzulieferer hat seinen Ursprung im Konkurs der „Neue Hannoversche Gummiwarenfabrik“, die – von Bankier Moritz Magnus 1869 gekauft und neu aufgestellt – die Basis für den einst reinen Reifenhersteller Continental bildete. In Hannover hat das Unternehmen noch heute seinen Sitz. Zahlreiche Innovationen wie der erste Luftreifen mit Profil ebneten dem Unternehmen, das zur Zeit des Nationalsozialismus auch von Zwangsarbeit profitierte, den Aufstieg. „Conti“ erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 33,3 Milliarden Euro.

Platz 6: Bosch
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Das 1886 von Robert Bosch gegründete Unternehmen entwickelte das erste serienmäßige Antiblockiersystem und war lange der größte Automobilelektronik-Zulieferer der Welt, verlor diese Position allerdings 2012. In automatisierter Verpackungstechnik ist das Unternehmen jedoch weiterhin Weltmarktführer. Mehr als 200.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2013 einen weltweiten Umsatz von 46,4 Milliarden Euro. Ein Tochterunternehmen von Bosch war die Dreilinden Maschinenbau GmbH, ein Rüstungsbetrieb in Kleinmanchow. Diese zeigte sich für den Arbeitseinsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen verantwortlich.

Platz 5: Aldi
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Sie teilten einst die Republik unter sich auf: Theo und Karl Abrecht, die Gründer von Albrecht-Diskont, kurz Aldi und damit Erfinder des Discounters in Europa. Die Brüder übernahmen 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg den elterlichen Tante-Emma-Laden in Essen und bauten den Betrieb rasch aus. Die Wandlung zum „Discounter“ geschah 1961 aus einer durch die Supermarktkonkurrenz bedingten Unternehmenskrise heraus und stellte sich als größte Innovation des Einzelhandels im 20. Jahrhundert dar. 1960 teilten die Gebrüder Albrecht das Unternehmen schließlich in Aldi Süd (Karl) und Aldi-Nord (Theo) auf. Zusammengenommen machten die Konzerne 2013 einen Umsatz von 62,2 Milliarden Euro. Das sind allerdings nur Schätzzahlen: Aldi ist für seine Verschwiegenheit bezüglich Geschäftszahlen bekannt.

Bei der operativen Führung des Schraubenhändlers war die Begeisterung für das Projekt deutlich weniger ausgeprägt als beim Firmen-Patriarchen. Kein Wunder. Denn obwohl die Finanz- und Wirtschaftskrise längst überwunden ist und Würth in diesem Jahr wohl erstmals über 11 Milliarden Rekordumsatz erzielen wird, wie Bernd Herrmann, Mitglied der Konzernführung der Würth-Gruppe bestätigte, muss das Projekt aus den Gewinnen des Unternehmens finanziert werden.

Der Patriarch ist vorbestrafter Steuersünder
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