Reinigungsspezialist
US-Krise trifft auch Kärcher

Mit spektakulären Projekten macht der Reinigungsspezialist Kärcher immer wieder auf sich aufmerksam. Nach dem Brandenburger Tor, dem Mount Rushmore und den Kolonnaden am Petersplatz in Rom putzen die schwäbischen Spezialisten derzeit die „Space Needle“, Seattles Fernsehturm. Die Werbewirkung können die Schwaben gebrauchen – vor allem in den USA.

WINNENDEN. „Die Kosten tragen wir. So können wir die Leistungsfähigkeit unserer Geräte besser zeigen als in jeder Werbekampagne“, sagt Kärcher-Chef Hartmut Jenner. Die Werbewirkung können die Schwaben vor allem auf dem schwächelnden US-Markt gebrauchen. Denn auch Kärcher spürt die Immobilienkrise in den USA. Nach stagnierenden 360 Mill. Dollar Umsatz im vergangenen Jahr rechnet Jenner 2008 mit leicht rückläufigen Erlösen in Nordamerika.

Die Schwäche auf dem immer noch größten Auslandsmarkt trifft Kärcher zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt, denn das Unternehmen hat gerade erst vor zwei Jahren den US-Teppich-Reiniger Castle Rock mit 130 Mill. Euro Jahresumsatz übernommen und ist damit auch in den USA zum Marktführer aufgestiegen. „Die Krise spüren wir aber vor allem bei privaten Konsumenten. Das gewerbliche Geschäft läuft gut“, versichert Jenner.

Trotz der Schwäche in den USA will Jenner auch in diesem Jahr insgesamt wieder „ordentlich wachsen“, sagt der Firmenchef. Die ersten vier Monate des Jahres 2008 hätten sich bei Umsatz und Produktion „gut angelassen“. Die Marktanteile seien gestiegen. Weltweit sei Kärcher im Bereich Reinigungstechnik für Transportmittel und Gebäude die „Nummer eins“.

Vor allem Osteuropa und Asien sorgen wie bei Unternehmen aus dem Auto- und Maschinenbau für Kompensation. Im vergangenen Jahr stand ein Plus von zehn Prozent auf 1,38 Mill. Euro zu Buche, ein Rekordjahr mit 6,25 Mill. verkauften Geräten.

Erstmals waren auch 22 Gartenpumpen im Angebot. Rund 50 Mill. Euro zusätzlichen Umsatz binnen zwei Jahren verspricht sich Jenner von der neuen Linie, die das Angebot Hochdruckreinigern und Kehrmaschinen ergänzt.

Darüber hinaus baut Kärcher Trockeneis-Strahlgeräte, Autowaschanlagen sowie Trinkwasser- und Abwasserbeseitigungsanlagen. Im Rahmen eines Großauftrags übergibt Jenner in zwei Wochen der Bundeswehr ein Dekontaminationssystem zu Beseitigung biologischer, chemischer und atomarer Kampfstoffe.

Auch Kärcher leidet unter den drastisch gestiegenen Rohstoffkosten. „Der Kunststoffanteil an unseren Geräten wird sich weiter kräftig erhöhen“, sagt Jenner. Der Ersatz von Metall durch Kunststoff habe bei Kärcher allerdings Tradition, um Gewicht zu sparen und Korrosion zu vermeiden. Wog der erste tragbare Hochdruckreiniger noch 30 Kilo und kostete 899 Euro, so wiegt das heutige Einstiegsgerät mit doppelter Leistung nur noch fünf Kilo und kostet 49 Euro. Kärcher beschäftigt derzeit in 41 Ländern rund 6 600 Mitarbeiter, davon knapp 3 000 im Inland. Rund 84 Prozent seines Umsatzes macht Kärcher im Ausland. Seine Reinigungsgeräte produziert das Unternehmen in Deutschland, Italien, den USA, Brasilien, Mexiko und China.

Das Unternehmen gehört zwei Kindern des Firmengründers Alfred Kärcher, die im Verwaltungsrat sitzen. Kärcher wird operativ von familienfremden Managern geführt. Der 42-jährige Jenner arbeitet seit 17 Jahren für Kärcher und steht seit gut sieben Jahren an der Spitze des Unternehmens .

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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