Reinraumtechnik
Keimfreie Inseln in der Maschine

Anstatt ihre Produktion in Reinräumen aufzubauen, machen Hersteller einfach Teile der Produktion zum Mini-Reinraum – zum Beispiel in der Lebensmittelindustrie.

KÖLN. Sie hilft gegen Bakterien, gegen schädliche Enzyme und gegen Schimmelpilze: die Benzoesäure. Jahrzehntelang machte sie Lebensmittel haltbarer, doch jetzt soll sie für Allergien verantwortlich sein. Und viele Verbraucher zeigen sich zunehmend irritiert, wenn auf der Zutaten-Liste chemische Begriffe auftauchen. Besser ist es also, wenn Lebensmittel-Hersteller die Benzoesäure gar nicht erst brauchen. Zum Beispiel, weil dank Reinraumtechnik gar keine Bazillen mit in die Verpackung kommen.

„Vieles an Konservierung war nur deshalb nötig, weil man nicht verhindern konnte, dass Keime im Produkt sind“, sagt Thomas Wollstein, Reinraumtechnik-Experte beim Verein Deutscher Ingenieure. Reinräume können solche Keime aussperren, es wäre aber sehr aufwändig, Essiggurken und Mayonnaise nur noch in großen Reinräumen zu produzieren. Deshalb erleben derzeit „Isolatoren“ und „Restricted Access Barriers“ (RABS) einen Aufschwung. Das sind Geräte, die Reinraum-Bedingungen nur für einen bestimmten Bereich der Produktion schaffen. Solche Isolatoren können ganze Maschinen einschließen, kleinere Modelle passen aber auch in die Anlagen hinein und schließen darin lediglich den schützenswerten Bereich ein. So sorgen sie dafür, dass beim Verpacken keine Bazillen in der Luft herumschwirren.

Dass es die Reinräume jetzt auch kompakt gebe, helfe der ganzen Branche, sagt VDI-Experte Wollstein: „Die Reinraumtechnik erschließt sich immer neue Anwendungsfelder.“ Der wichtigste Grund: Reinraum-Abteile sind einfach billiger als komplette Reinräume - und das merken allmählich auch Kunden, denen die Technik lange zu teuer war. Billiger sind die Minis nicht nur im Betrieb, sondern auch im Bau. „Ein Reinraum fängt bei 100 000 Euro an. Das kann sich nicht jeder leisten“, sagt Friedhelm Rickert, der Geschäftsführer des Erdinger Labortechnik-Herstellers Spetec. Eine einzelne Ketchup-Abfüllmaschine dagegen könne seine Firma schon für etwa 50 000 Euro in saubere Luft packen.

Darauf würden immer mehr Interessenten aufmerksam, sagt Rickert. „Der Markt ist gerade am Entstehen.“ Dabei gibt es die Mini-Reinräume schon seit rund zehn Jahren. Aber erst ganz langsam merken unterschiedliche Branchen, was ihnen diese billigere Reinraumtechnik bringt. Rickert erlebt das derzeit regelmäßig: „Es gibt immer wieder Kunden, die sehen das auf der Messe und sagen dann: Genau das brauchen wir.“

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