Reise-Unternehmer Allein gegen Vietnams korrupte Justiz

Vietnams Präsident Truong Tan San ist auf Staatsbesuch in Berlin. Unterdessen bittet ein Unternehmer aus Sachsen die Bundesregierung um Hilfe, damit er in dem korrupten Staat Südostasiens zu seinem Recht kommt.
Reise-Unternehmer Heiko Grimm ist in Vietnam um Geld geprellt worden.
Heiko Grimm

Reise-Unternehmer Heiko Grimm ist in Vietnam um Geld geprellt worden.

BangkokDem vietnamesischen Präsidenten wird viel geboten: Als Truong Tan Sang am Dienstag in Berlin einfliegt, eskortieren zwei Jets der Luftwaffe seine Maschine. Über solch eine Begrüßung durften sich 2015 nur die englische Königin Elizabeth II. und der israelische Präsident Reuven Rivlin freuen. Doch für den Gast aus Vietnam, der während seines viertägigen Staatsbesuches mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zusammentrifft, ist nichts zu schade. Die politischen Spitzen wollen über „neue Projekte im Rahmen der strategischen Partnerschaft beraten“, teilt die Bundesregierung mit. Zudem sprechen sie über Chancen, die sich deutschen Unternehmen durch die Wirtschaftsgemeinschaft der südostasiatischen Staaten ergeben. Es geht um die ganz großen Themen, für die ganzen großen Unternehmen.

200 Kilometer südlich der Hauptstadt sitzt der sächsische Reise-Unternehmer Heiko Grimm in seinem Büro in Chemnitz und ärgert sich. Statt den Präsidenten Vietnams derart zu hofieren, sollte die Bundesregierung dem Gast sagen, was für einem korrupten System er vorstehe. „In Vietnam sind die Verträge das Papier nicht wert, auf denen sie geschrieben stehen“, sagt der Chef von ITI-Holiday. „Aber die Bundesregierung setzt sich nur für die großen Konzerne ein, und nicht für Mittelständler und kleine Unternehmer.“

Grimm spricht aus Erfahrung. Seit drei Jahren kämpft er im verfilzten Justizsystem Vietnams um sein Geld: 30.000 US-Dollar investierte er 2012 in ein dortiges Reiseunternehmen. Mit dem Geschäftspartner vor Ort hatte er schon länger zusammengearbeitet und Vertrauen aufgebaut. Ein Fehler.

Als er nach ein paar Monaten wieder ins Land kam, präsentierte ihm der Partner plötzlich eine horrende Rechnung für ominöse Renovierungen. Und es kam noch dicker: Statt Grimm stand plötzlich die Frau des Geschäftspartners im Register. Seine dafür benötigte Unterschrift wurde einfach gefälscht. Proteste bei den Behörden liefen komplett ins Leere. Die 30.000 US-Dollar lösten sich in Luft auf.

Wenn Unternehmer Opfer von Kriminellen werden
Willi Pfannenschwarz
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Geld her oder Gift im Müsli – das soll sinngemäß in einem Drohbrief an Seitenbacher-Chef Willi Pfannenschwarz gestanden haben. Der mutmaßliche Erpresser habe im Oktober vergangenen Jahres eine Million Euro vom Chef des Müsli-Herstellers gefordert. Weiter heißt es im dem Brief, dass der mutmaßliche Täter dessen Töchter von Scharfschützen erschießen lassen und Seitenbacher-Produkte in Supermärkten vergiften werde, falls der Firmeninhaber nicht zahle.

Pfannenschwarz ging zum Schein auf die Forderung des Angeklagten ein. Nach einer gescheiterten Geldübergabe wurde der 63-jährige mutmaßliche Täter festgenommen. Am Donnerstag (26. Februar) muss er sich vor dem Landgericht von Mosbach in Baden-Württemberg verantworten. Ein Urteil noch am selben Tag ist wahrscheinlich - weitere Prozesstermine sind laut der Presseagentur dpa nicht vorgesehen.

Susanne Klatten
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Im Jahr 2007 fiel die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten (Archivfoto vom 11.05.2009) auf einen schweizer Betrüger herein. Sie hatte sich mehrmals mit dem gleichaltrigen Mann in einem Luxushotel getroffen, woraufhin er sie mit Fotos der Begegnungen erpresste. Der als Gigolo-Erpresser bekanntgewordene Schweizer Helg Sgarbi verführte nicht nur die Multimilliardärin Klatten, sondern auch weitere Frauen und veranlasste sie mit Lügengeschichten zu Millionenzahlungen.

2008 wurde der Erpresser verurteilt, hat seine Haft aber inzwischen abgesessen und ist in die Schweiz zurückgekehrt. Klattens Familie, die Quandts, gelten dank ihrer Beteiligungen an BMW, Altana und SGL Carbon als Deutschlands reichste Familie.

Dietmar Hopp
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Auch den Milliardär Dietmar Hopp versetzte 2009 ein Erpresser wochenlang in Angst und Schrecken: In drei Schreiben forderte er 5,5 Millionen Euro vom SAP-Gründer und Sponsor des Fußball-Bundesligisten Hoffenheim - und drohte mit dem Mord an Hopps Frau und Söhnen. Bei einer fingierten Geldübergabe speiste ein verdeckter Ermittler den Spediteur mit fünf Sporttaschen voller Papierschnipsel ab. Kurz darauf wurde er festgenommen und zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Richard Oetker
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1976 sah sich die Unternehmer-Familie Oetker einem Erpressungsversuch ausgesetzt. Im Alter von 25 Jahren wurde Richard Oetker in Freising bei München entführt. Zwei Tage lang wurde der damalige Student in einer Holzkiste versteckt, bevor er schwer verletzt in einem Waldstück bei München freigelassen wurde. Seine Familie bezahlte 21 Millionen Mark Lösegeld. Als Täter wurde 1979 der Gebrauchtwagenhändler Dieter Zlof ermittelt, er hatte 1.000-Mark-Scheine aus der Lösegeldsumme in Umlauf gebracht. Für die Tat wurde Zlof zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Theo Albrecht
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Zu den prominentesten Entführungs-Opfern, die nach der Zahlung hoher Lösegelder freikamen, gehört der Großkaufmann und Gründer von Aldi Nord, Theo Albrecht. 1971 wurde er vom Hof seiner Geschäftszentrale in Herten bei Recklinghausen entführt und 17 Tage festgehalten. Durch Vermittlung eines Bischofs wurde Albrecht gegen ein Lösegeld von sieben Millionen Mark wieder freigelassen. Seine Entführer flogen durch registrierte Scheine auf, wurden gefasst und zu je achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Allerdings ist die Hälfte des Lösegelds bis heute verschwunden. Der Gründer von Aldi Nord starb im Juli 2010.

Jan Philipp Reemtsma
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Einigermaßen glimpflich verlaufen ist die Entführung des Hamburger Millionenerben Jan Philipp Reemtsma im Jahr 1996. Er wurde vor seinem Haus in den Hamburger Elbvororten entführt, nach 33 Tagen Gefangenschaft aber unverletzt freigelassen, nachdem ein Lösegeld von 30 Millionen Mark an die Erpresser gezahlt wurde. Der Haupttäter Thomas Drach wurde 2001 zu mehr als 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Vom Lösegeld wurden nur rund 1,5 Millionen Mark entdeckt, Helfer hatten Teile davon hinter Fußleisten versteckt, unter einem Gartenteich vergraben, in einer Waschküche eingemauert und an einer Autobahn verbuddelt. Das restliche Geld soll angeblich verbraucht oder durch Fehlinvestitionen versickert sein. Heute ist Jan Philipp Reemtsma ein renommierter Literatur- und Sozialwissenschaftler, er lehrt an der Universität Hamburg.

Alain Caparros
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Der Vorstandsvorsitzende der Rewe Group, Alain Caparros, wurde im Februar 2014 ebenfalls in eine Erpressung verwickelt. Der Lebensmittelkonzern war Ziel eines Erpressers, der angab, vertrauliche Informationen gestohlen zu haben. Er hatte den E-Mail-Account eines Aufsichtsratsmitglieds gehackt und forderte Geld. Rewe schaltete die Polizei ein, woraufhin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Immer wieder greifen Hacker Unternehmen an - um Kundendaten zu stehlen oder um an andere vertrauliche Informationen zu gelangen.

Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf Anfrage dem Handelsblatt mitteilt, sei der Behörde der Fall ITI Holiday bekannt. Es handele sich dabei um einen von mehreren Unternehmern aus Deutschland, die über Schwierigkeiten in Vietnam geklagt – und sich deshalb an die Bundesregierung gewandt hätten. Zu Einzelheiten wolle man sich allerdings nicht äußern. Grundsätzlich beobachte das Ministerium die Situation deutscher Unternehmen im Ausland nach eigenen Angaben „sehr genau“ – und unterstütze diese bei rechtlichen oder politischen Schwierigkeiten „sowohl auf fachlicher wie auch auf politischer Ebene gegenüber den offiziellen Stellen der betroffenen Staaten“. Das gelte auch für „kleine und mittelgroße Unternehmen“. Konkret zur rechtlichen Situation in Vietnam weist ein Sprecher darauf hin, dass die Bundesregierung seit 2008 einen Rechtsstaatsdialog mit der vietnamesischen Regierung führe.

Tatsächlich gilt Vietnam als Boom-Staat in Südostasien. Während andere Länder in der Region politisch instabil werden und die schwächere Nachfrage in China zu spüren bekommen, startet Vietnam durch. Die Asiatische Entwicklungsbank erhöhte ihre Wachstumsprognose für das Land zuletzt noch einmal auf 6,1 Prozent in diesem Jahr.

Wegen deutlich günstigerer Löhne als in China entdecken immer mehr internationale Unternehmen den südlichen Nachbarn als Produktionsstandort. Zudem lockt ein großer Binnenmarkt mit rund 90 Millionen Einwohnern und eine glänzende Vernetzung durch Freihandelsabkommen. Vietnam beteiligt sich an der Transpazifischen Partnerschaft TPP, der Südostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft und hat als erstes Schwellenland ein Freihandelsabkommen mit der EU abgeschlossen. Die ausländischen Direktinvestitionen sollen dieses Jahr um 40 Prozent auf 23 Milliarden US-Dollar steigen.

„Nach Vietnam organisiere ich eigentlich kaum noch Reisen.“
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