Reisebüros
In schicker Lounge steigt Lust auf Urlaub

Reisebüros schienen im Internetzeitalter ein Vertriebskanal ohne Zukunft zu sein. Doch die Branche denkt um. Denn viele Reisende buchen lieber offline - wenn die Umgebung stimmt, glaubt ein Düsseldorfer Anbieter. Wie das Reisebüro der Zukunft aussehen könnte.
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DÜSSELDORF. Es ist kein roter Teppich, der den Besucher empfängt, sondern ein blauer. So meer- oder himmelblau, wie Meer und Himmel gemeinhin in Urlaubskatalogen aussehen. Das ist kein Zufall: Oliver Wulf will verführen. Auskunft geben, gut beraten - ja natürlich. Aber eigentlich will er "Emotionen wecken", "inspirieren" - kurzum: "Lust auf Urlaub machen".

Das ist sein Job, denn der 46-Jährige verkauft Ferien. Und das will er anders machen als andere. Dafür hat er in diesen Tagen in Düsseldorf hinter dem blauen Teppich ein Reisebüro eröffnet. Vollmundig nennt er es das "Reisebüro der Zukunft" - als Gegenpol in einer Branche, in der das traurige Wort vom Reisebürosterben weit geläufiger ist.

Denn den Verkäufern der bunten Katalogware geht es nicht gut. Internetportale, Telefonverkauf, Werbefernsehsender mit Touristikangeboten machen den einstigen Monopolisten in Sachen Urlaubsverkauf reichlich Konkurrenz um Kunden und Provisionen. Hinzu kommt die aktuelle Krise, die die Reiselust der Deutschen spürbar senkt.

Zahl der Reisebüros sinkt erstmals unter 11 000

Da wertet es der Deutsche Reiseverband (DRV), die Branchenorganisation der Tourismuswirtschaft, schon als Erfolg, dass sich das vielerorts zu beobachtende Reisebürosterben 2009 verlangsamt hat: "Die Marktbereinigung hat ihren Bodensatz erreicht", sagt ein Verbandssprecher. "Die Rückgänge werden weniger, und es gibt auch Neueröffnungen."

Morgen wird der DRV auf seiner Jahrestagung in Ägypten darüber mehr berichten - auch dass die Zahl der Reisebüros in Deutschland in diesem Jahr erstmals unter 11 000 gesunken ist.

Oliver Wulf wird vor Ort sein. Seit 23 Jahren ist er Reisebüroinhaber. In einem Diskussionsforum wird er für seine Idee werben: "Den Menschen Lust auf Urlaub machen, das ist ein Branchenthema. Es ist eine Wahnsinnschance für den stationären Vertrieb, wieder aufzuholen."

Denn das Reisebüro ist nicht so tot, wie viele glauben. Das Branchenstichwort heißt "Ropo" - zu Englisch: "Research online, purchase offline". Eine Studie hat gezeigt, dass sich zwar viele Menschen im Internet für eine Reise, für ein Reiseziel interessieren. Doch zum Kaufen, zur Buchung gehen sie lieber ins Reisebüro.

Mehr als ein Viertel des gesamten touristischen Umsatzes in Deutschland, so ergab die auch Fachleute überraschende Untersuchung, wird auf diesem Weg generiert. "Die Steigbügelfunktion von Online für den Reisebüroverkauf ist damit nachgewiesen", heißt es in der Studie.

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