Reisebusunternehmen
Zoff in der Familie Anton Graf

Familienfehde in Herne? Vor dem Arbeitsgericht heißt es jedenfalls Graf gegen Anton Graf GmbH. Das Reisebusunternehmen hat Oliver Graf, Sohn von Inhaber Theodor Graf sowie kaufmännischer Leiter, fristlos entlassen. Der ist daraufhin vor Gericht gezogen. Die Betroffenen wollen zu dem Vorfall nichts sagen.
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DÜSSELDORF. „Es handelt sich um einen ganz normalen Arbeitsrechtsstreit“, so Juristin Anja Graf, eine Cousine von Oliver Graf und ebenfalls im Unternehmen tätig.

Die Fortführung des Unternehmens sei nicht gefährdet. Es sei bei dem Gerichtstermin nicht um Streitereien in der Geschäftsführung oder einen Generationenkonflikt gegangen. Oliver Graf habe lediglich eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Das Unternehmen sei optimistisch, sich mit dem Kläger außergerichtlich zu einigen. Von der Wirtschaftskrise sei das Unternehmen zwar betroffen, so Graf, doch habe sich das Reisegeschäft insgesamt stabil entwickelt.

Die Anton Graf GmbH Reisen & Spedition wird in der zweiten und dritten Generation von der Familie geführt und gehört mit einem Umsatz von zuletzt 40 Mio. Euro sowie 105 Omnibussen zu den größten privaten Busunternehmen in Deutschland.

1928 von Anton Graf in Wanne-Eickel mit einem Lastwagen gegründet, der zum Reisebus umgerüstet werden konnte, beschäftigt Graf heute rund 380 Mitarbeiter in den Sparten Busbetrieb, Reiseveranstalter mit sieben Reisebüros im Ruhrgebiet, Möbelspedition sowie seit zwei Jahren Kfz-Werkstatt. 1979 übernahmen die drei Söhne von Anton Graf, Arno, Theodor und Werner, das Unternehmen in zweiter Generation. Nach und nach stieß die dritte Generation hinzu, zwei Söhne von Theodor Graf und jeweils eine Tochter von Arno und Werner. Die zweite Generation stellt die Gesellschafter. Branchenkenner gehen davon aus, dass in einem solchen Familienbetrieb Reibungen nicht ausbleiben. Zumal der Jahresüberschuss von zuletzt 0,8 Mio. Euro keine großen Sprünge zulässt.

Der Wettbewerb in der Branche ist beinhart. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Busunternehmen um 20 Prozent auf knapp 5 000 mit 80 000 Beschäftigten und 75 270 Bussen gesunken. Die Konsolidierung hält an, sagte ein Sprecher des Omnibusverbands BDO. Der Umsatz der Branche liegt mit 5,5 Mrd. Fahrgästen bei 6,6 Mrd. Euro. Familienunternehmen prägen das Bild. Zu den größten zählen Hülsmann Reisen aus Voltlage, Eberhardt Reisen aus Pforzheim oder Hörmann Reisen aus Augsburg.

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