Rekordvolumen
Der Osthandel wird immer wichtiger

Gewaltige Wachstumsraten locken deutsche Exporteure in den Osten. Das Geschäft mit der Region hat mittlerweile ein Rekordvolumen von 280 Milliarden Euro erreicht. Durch den boomenden Handel rücken nun Straßenausbau und die Reform des russichen Zolls in den Fokus.

BERLIN. Mittel- und Osteuropa werden für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Der Außenhandel mit der Region kletterte im vergangenen Jahr auf das Rekordvolumen von 280 Mrd. Euro. Damit entfallen bereits 16 Prozent der deutschen Aus- und Einfuhren auf die Region zwischen Polen, Rumänien, dem Baltikum und den GUS-Staaten. Nach Berechnungen des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft ist der Osthandel damit deutlich größer als der Handel mit den USA oder China.

Nach Ansicht des Ostausschusses ist vor allem die weiter anhaltende Wachstumsdynamik beim Handel mit den Unternehmen in Mittel- und Osteuropa von großer Bedeutung: Binnen fünf Jahren stieg das Handelsvolumen mit dieser Region um 130 Mrd. Euro, was einer Zunahme von 87,2 Prozent entspricht. Dazu trage der wachsende Wohlstand in den neuen EU-Mitgliedsstaaten ebenso bei wie die Schwemme von Petrodollars in den rohstoffreichen Ländern der GUS, oder, wie im Falle der Ukraine, von der guten Stahlkonjunktur.

Auch 2007 legte der Osthandel deutlich stärker zu als der Warenaustausch mit anderen Regionen außerhalb der EU: Während die Ein- und Ausfuhren in die Länder Mittel- und Osteuropas 2007 um durchschnittlich 14 Prozent zunahmen, wuchs der Handel mit China nur um 10,8 Prozent, der Warenaustausch mit den USA verringerte sich sogar um sechs Prozent. Dank erneut überdurchschnittlicher Zuwächse verdrängte Polen Russland als größten deutschen Handelspartner in der Region von Platz eins, mit einer Zunahme der Lieferungen um 25,2 Prozent auf 36,1 Mrd. Euro.

Aber auch die Ausfuhren nach Russland wuchsen etwas doppelt so stark wie die Lieferungen nach China. Bei den Einfuhren aus Russland dominieren weiterhin Öl und Gas sowie andere Rohstoffe. Bei den deutschen Ausfuhren lagen Maschinen, Fahrzeuge, Kfz-Teile und chemische Erzeugnisse vorn. Allein im Maschinenbau betrug die Steigerungsrate mehr als 22 Prozent. Der hohe Anteil der Investitionsgüter an den deutschen Ausfuhren nach Russland ist nach Meinung des Ostausschusses „ein deutliches Zeichen, dass die Modernisierung weiter voranschreitet“. So wird etwa die Nachfrage nach Kfz-Teilen dadurch angekurbelt, dass immer mehr westliche Autohersteller Montagewerke in Russland aufbauen.

Der boomende Handel rückt nach Ansicht betroffener deutscher Unternehmen vor allem den Reformbedarf beim russischen Zoll sowie beim Ausbau der Verkehrswege in den Mittelpunkt. Vor allem der Ausbau der bisher einzigen Straße von St. Petersburg nach Moskau steht dabei im Zentrum. Auch die Potenziale im Frachtverkehr der Transsibirischen Eisenbahn sollen nun verstärkt genutzt werden. Dazu kooperiert die Deutsche Bahn AG mit RZD, der russischen Staatsbahn.

Parallel dazu verstärken sich aktuell die Probleme im Luftfrachtverkehr für die Lufthansa: So wurden jetzt, kurz vor den am 13. März beginnenden Verhandlungen über ein neues Überflugabkommen über Russland russische Steuernachforderungen in Millionenhöhe gegen die Lufthansa bekannt. Das Unternehmen soll gezwungen werden, ihr Drehkreuz für Frachtflüge nach Asien vom kasachischen Astana ins sibirische Krasnojarsk zu verlegen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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