Rekrutierer dürften auf lange Sicht einen beschwerlichen Job haben
Wegen Personalmangel vielleicht bald geschlossen

Wer Dieter Stein auf den Ingenieurnachwuchs am Erfinder- und High-Tech-Standort Deutschland anspricht, bringt ihn schnell in Wallung. Dann verfinstert sich die Miene des Managing Partner bei der Frankfurter Personalberatung Ray & Berndtson bedenklich. Er prognostiziert: „Die Wirtschaft wird sich darauf einstellen müssen, dass der Krieg um die Talente demnächst erst richtig losgeht – und zwar auch deswegen, weil in den vergangenen zwei Jahren bei der Rekrutierung von Führungsnachwuchs der Rotstift regierte. Der Zahltag für diese kurzatmige Personalpolitik wird nicht lange auf sich warten lassen.“

Am schwersten sei der Mittelstand betroffen, hat Stein beobachtet. In einigen Branchen ist der Mangel bereits schon heute höchst akut. Die Personaldecke im Maschinenbau, der Elektrotechnik/ Elektronik, dem Anlagen- und Kraftwerksbau ist schon bedenklich dünn.

Eine zusätzliche Verschärfung der Situation erwartet Stein durch die Überalterung der Gesellschaft: „In etwa acht Jahren wird es am Arbeitsmarkt nur noch etwa die Hälfte der 30-jährigen Leistungsträger von heute geben. Aber damit brechen für den Führungsnachwuchs keine goldenen Zeiten an.“ Denn: Branchen, die schon heute über krassen Personalmangel klagten, werden ihre Betriebe noch zügiger ins Ausland verlegen, fürchtet er. Selbst bei schrumpfender Bevölkerung stünden dann hier zu Lande zu wenig qualifizierte Arbeitsplätze zur Verfügung. Ein Viertel mittelständischer Unternehmen erwäge einen teilweisen oder kompletten Umzug nach Osteuropa.

„Uns fehlen ständig Ingenieure“, bedauert auch Jürgen Göttler. Er ist Geschäftsführer der Voith Dienstleistungen GmbH und Personaldirektor der Voith AG. Für ihn ist der unbefriedigende Zustand nichts Neues – seit fünf Jahren zieht die Firma alle Register, lässt kaum eine Hochschulmesse aus, um den Bedarf zu decken. Inzwischen rekrutiert er sogar in Schweden, Finnland, Malaysia und Brasilien. „Wir sind gezwungen, uns Einiges einfallen zu lassen“, sagt Göttler. Zur Zeit sind allein am Standort Heidenheim 21 Ingenieurstellen zu vergeben: Fünf in der Auftragsabwicklung, sechs in der Abteilung für Forschung & Entwicklung und zehn in der Automation. Hinzukommt: „Mit Sorge sehen wir die Eingangs- und Abbrecherquote in den betreffenden Studienfächern.“

Seite 1:

Wegen Personalmangel vielleicht bald geschlossen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%