Renaissance der Eisenbahn
Bahntechnik: Die Kleinen kommen

Dank der weltweiten Renaissance der Eisenbahn boomt das Geschäft von Bahntechnik-Unternehmen. Vor allem mittelständische Spezialisten können auf diesem Markt punkten. Die Strategien der "Kleinen" sind dabei recht ähnlich. Doch trotz der derzeit vollen Auftragsbücher muss sich die Branche darauf einstellen, dass das Geschäft wegen des Preisdrucks immer härter wird.

DÜSSELDORF. In der europäischen Bahntechnikbranche haben Firmen wie die polnische Axtone lange Zeit kaum für Aufsehen gesorgt. Als lokaler Lieferant und unter dem alten Namen Kamax konzentrierte sich der Hersteller von Verbindungspuffern für Zugwagen und Loks früher nur auf den Heimatmarkt. Heute machen die Polen von sich reden: Man wolle bei der technischen Entwicklung von Puffern "in Europa den Ton angeben", so formuliert Axtone jüngst selbstbewusst seine Perspektiven, als die Firma von einer schwedischen Beteiligungsgesellschaft übernommen wurde.

Das Ereignis kennzeichnet die Lage einer Branche, die dank der Renaissance der Eisenbahn boomt: In der Bahntechnik sind kleine Anbieter im Kommen. Das wird sich auch auf der am Dienstag beginnenen Bahntechnikmesse Innotrans in Berlin zeigen. "Lange Jahre war die Branche von stetiger Konsolidierung und der Integration kleiner Standorte durch die großen Systemanbieter Alstom, Bombardier und Siemens bestimmt", sagt Maria Leenen, Chefin der Beratungsgesellschaft SCI-Verkehr. "Jetzt spielen neue, kleinere und flexiblere Anbieter eine immer wichtigere Rolle."

Die Strategien der "Kleinen" ähneln sich: Sie beschränken sich auf einzelne Marktsegmente, eignen sich darin tiefe Erfahrung an und steigern so ihre technische Überlegenheit. "Die kleinen und mittelständischen Unternehmen sind wichtige Partner bei Innovationen", bestätigt Bombardier-Manager Dirk Müller-Atzerodt, Vorsitzender des Fachverbands Elektrobahnen im ZVEI: "Bei den großen Systemhäusern ist die Fertigungstiefe zurückgegangen. Wir kaufen heute 60 bis 70 Prozent bei den Zulieferern."

Das bringt denen gute Gewinne: "Kleine Anbieter tun sich leichter, was die Margen anbetrifft, doch auch die Großen haben daran gearbeitet", beobachtet Roland Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie. Eine Studie von SCI macht aber deutlich, dass große Systemhäuser schon gut bedient sind, wenn sie ihre Gewinnspannen (Ebit) in Richtung fünf Prozent bringen. Der Untersuchung zufolge ist etwa die Siemens-Sparte Mobility noch um gut zwei Prozentpunkte von der Zielvorgabe von sieben Prozent Rendite entfernt.

Die flexiblen Mittelständler kommen dagegen auf Margen im zweistelligen Bereich, sagt der langjährige Chef des Bahntechnik-Spezialisten Vossloh, Burkhard Schuchmann. Das werde unter den großen Bahntechnik-Unternehmen der Welt lediglich von der Transporttochter von General Electric erreicht. Die Tochter unterscheide sich von den drei europäischen Systemhäusern dadurch, dass sie nicht alles mache: Sie habe sich auf Lokomotiven und auf Signaltechnik spezialisiert. "Der Weg der Systemhäuser wird auf die Dauer nicht tragbar sein", meint Schuchmann.

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