Renaissance der Handschuhe
„Kälte macht glücklich“

Für die 68er Generation war der Handschuh ein Anti-Symbol, der Modegeschmack der 70er Jahre verbannte Handschuhe vielerorts in den Kleiderschrank. Nun erfährt das einstige adelige Kleidungsstück eine Renaissance – auch im Münchener Familienunternehmen Roeckl, das seit 1839 Handschuhe fertigt und im letzten Jahr 18 Mio. Euro Umsatz verbuchen konnte.

MÜNCHEN. Die Firmenchefin ist verschnupft, aber zufrieden. Der Sommer weicht in diesen Tagen aus der Stadt, etwas früher als sonst werden die Münchener Nächte frisch. Jetzt beginnt ihre Jahreszeit. „Kälte macht glücklich“, sagt Annette Roeckl.

Einen dicken Wollschal um den Hals gebunden, denkt sie mit Schaudern zurück. „Der letzte Winter war schlimm – viel zu warm.“ Noch immer habe der Handel zu viel Ware vom Vorjahr in den Lägern: Ein früher Kälteeinbruch ist jetzt genau richtig für das Geschäft.

Annette Roeckl führt die gleichnamige Handschuhmanufaktur in sechster Generation. Seit über 160 Jahren fertigt Roeckl das edle Kleidungsaccessoire, seit vier Jahren ist Annette Roeckl die Chefin. Sie trägt einen Namen, dessen Geschichte längst Teil der Stadt München ist.

Noch heute ist die Firmenzentrale direkt am Roecklplatz mit dem Roecklbrunnen an der Roecklstraße. Hier, zwischen Altstadt und Schlachthof, produzierte das Unternehmen bis 1970. Kurz vor den Olympischen Spielen hat die Stadt München den Gerberbetrieb aus der Stadt verwiesen, des Geruches wegen. Nur ein Ölgemälde erinnert an das Firmenschloss, das Roeckls Großvater zu ihrem Verdruss abreißen ließ. Jetzt sitzt das Unternehmen in einem Profanhochhaus aus den siebziger Jahren. Die Produktion ist mittlerweile in Rumänien.

„Wir sind ein Unternehmen im Wachstum“, sagt Annette Roeckl, die selbst erst spät in die Rolle der Unternehmerin schlüpfte. Denn ihre Lebensplanung war zunächst keineswegs auf einen Eintritt in die Firma ausgelegt.

Seite 1:

„Kälte macht glücklich“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%