Ressourcenmanagement Riskantes Spiel mit Rohstoffen

Für international agierende Firmen gewinnt systematisches Management der Rohstoffkosten an Bedeutung. Berater sehen Nachholbedarf. Um die Abhängigkeit von großen Rohstofflieferanten zu verringern, sollen nun auch kleinere Betriebe gefördert werden.
  • Peter Reuter
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Minenarbeiten: Unkalkulierbare Preissprünge belasten die Industrie. Quelle: dpa

Minenarbeiten: Unkalkulierbare Preissprünge belasten die Industrie.

(Foto: dpa)

KÖLN. Nicht ein Mangel ist schuld, das Problem ist mangelhafte Planung: Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten, wie sie zuletzt allenthalben zu spüren waren, stellen Beschaffungsexperten vor Herausforderungen. Die Nachfrage für technische Innovationen sei nicht rechtzeitig erkannt worden und habe zu Fehleinschätzungen auf den Rohstoffmärkten geführt, urteilt das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in der Studie "Rohstoffe für Zukunftstechnologien".

In einem Punkt ist das eine gute Nachricht: Von einer bedrohlichen Knappheit der Rohstoffe ist noch nicht die Rede: Die "statische Ressourcenreichweite" von Chrom etwa betrage 600 Jahre, von Titan 280 Jahre und von Kobalt 220 Jahre. Doch die Globalisierung sorgt für Unruhe auf den Märkten: "Neue Marktteilnehmer aus den Schwellenländern, allen voran China, haben unerwartet starke Impulse auf die Rohstoffnachfrage ausgelöst", heißt es in der Fraunhofer-Studie.

Gefahren in der Versorgungskette

Aus solchen Szenarien entsteht Beratungsbedarf: Im Grunde sei bei der Rohstoffbeschaffung jedes Unternehmen auf sich selbst gestellt, sagt Lars Immerthal, Leiter Risikomanagement und Rohstoffeinkauf der Brainnet Supply Management Consultants. "Bei strategisch äußerst wichtigen Rohstoffen steht das individuelle Unternehmen oligopolartigen Strukturen gegenüber", beobachtet der Berater. Generell sollte daher jedes rohstoffabhängige Unternehmen ein Risikomanagement aufbauen, das die gesamte Versorgungskette umfasst, vom Lieferanten bis zum Kunden. Eine weitsichtige Bedarfsplanung werde immer wichtiger.

Erschwerend kommt hinzu:Auch strenge Reglementierungen verkomplizieren den Zugang zu Ressourcen. So beklagt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in seinem Strategiepapier zur Rohstoffsicherheit beträchtliche Zugangshemmnisse. Der BDI befürchtet bereits eine Rohstofflücke und fordert die Bundesregierung und die Europäische Kommission auf, politisch entgegenzuwirken. Laut EU-Kommission bestehen weltweit Exportbeschränkungen auf 400 Rohstoffe. Zukunftstechnologien wie Lasertechnik, Elektroantrieb und Photovoltaik seien ohne Kupfer, Kobalt und Seltenmetalle nicht vorstellbar. "Der sichere Zugang zu Rohstoffen ist für die deutsche Industrie von existenzieller Bedeutung", erklärt BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf.

Hilfe hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle angekündigt. Bei der im Oktober gegründeten Deutschen Rohstoffagentur können sich Unternehmen über Vorkommen und Verfügbarkeit informieren. Auch will die Agentur gegen Abhängigkeiten von bestimmten Märkten vorgehen und mit rohstoffreichen Entwicklungsländern enger kooperieren.

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