Risiken beim Einstieg
Albanien: Markt mit manchen Tücken

Gute Chancen haben Unternehmen im Einzelhandel und in der Bauindustrie in Albanien. Doch es gibt auch Risiken beim Markteinstieg.

BELGRAD. Probleme mit den Steuerbehörden, Stromengpässe, verzögerte Genehmigungsverfahren und lange Wartezeiten auf Wasser- und Telekommunikationsanschlüsse – Albanien gilt zu Recht als schwieriger Markt für Einsteiger. Insbesondere deshalb, weil die Konkurrenz manchmal zu harten Bandagen greift, die mit fairem Wettbewerb wenig zu tun haben. Trauriges Beispiel war ein Bombenanschlag auf die Filiale einer neuen ausländischen Supermarktkette.

Wegen der großen Widerstände empfiehlt Frieder Wöhrmann, Direktor der Pro- Credit Bank in Albanien, beim Einstieg einen starken lokalen Partner mit guten Verbindungen zu Ministerien und Zollverwaltung zu suchen. „Große Unternehmen wie Hochtief mit entsprechendem Gewicht können den Schritt auch alleine wagen“, sagt er. Aber für Mittelständler oder gar kleinere Firmen sei ein vertrauenswürdiger lokaler Partner unverzichtbar.

Oft sind Diaspora-Albaner die treibende Kraft für ein Engagement in der alten Heimat. So erklärt sich auch die im Gegensatz zu deutschen Unternehmen vergleichsweise starke Präsenz italienischer, griechischer und türkischer Firmen. Die albanische Bevölkerung in Deutschland ist aber in der Regel zu kurz im Land, um als Brücke zum Mutterland dienen zu können. Die Suche nach einem geeigneten Kooperationspartner ist daher eine hohe erste Hürde für deutsche Unternehmen.

Aber diese Hürde zu nehmen, kann sich lohnen. Albanien ist zwar mit 3,1 Millionen Einwohnern ein kleiner Markt, doch die Kaufkraft der vergleichsweise jungen Bevölkerung steigt. Weil sich die Strukturen sehr rasch wandeln, ergeben sich stets neue Nischen. Ein besonders interessanter Sektor ist der Einzelhandel. Lebensmittel etwa bieten bis dato nur kleinere lokale Ketten an. Als einziger ausländischer Investor ist die italienische Supermarktkette Conad mit einem ersten Geschäft im Zentrum der Hauptstadt präsent.

Die Eröffnung von Baumärkten und Drogerien gilt als aussichtsreich. Die Kaufkraftentwicklung ist schwer an Zahlen festzumachen. Das liegt an dem hohen Anteil des informellen Sektors und der schwach ausgeprägten Steuermoral. Allerdings ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 1997 bis 2006 im Schnitt um 10,4 Prozent pro Jahr gewachsen. 2006 erreichte das Wachstum fünf Prozent, 2007 werden es voraussichtlich sechs Prozent sein. Gleichzeitig boomt das Kreditgeschäft der Banken bei Konsumentenkrediten, und die Auslandsüberweisungen der Diaspora- Albaner, die nach Schätzungen rund ein Viertel bis ein Drittel des BIP betragen, bewegen sich weiter auf hohem Niveau. Ein großer Teil davon fließt in den Bau von Eigenheimen.

Obwohl in der Hauptstadt Tirana derzeit für größere Projekte kaum neue Baugenehmigungen erteilt werden, entwickelt sich die Baubranche landesweit sehr dynamisch. Öffentliche Projekte und Konzessionen sind ein guter Weg, in Albanien aktiv zu werden. So sucht die Regierung Investoren im Energiesektor bei Kleinwasserkraftwerken sowie bei der Errichtung und dem Betrieb von zwei neuen gas- und ölbefeuerten Großkraftwerken.

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