Mittelstand
Risikoabsicherung gegen Kursschwankungen

Verluste durch Wechselkursschwankungen müssen nicht sein. Mit ausgeklügelten Strategien können sich Unternehmen absichern. Die Meinungen gehen auseinander: Während einige Experten nur noch darauf warten, dass dem Euro die Puste ausgeht, glauben andere Fachleute, dass die schwachen US-Konjunkturdaten und die Folgen des Hurrikans „Katrina“ den US-Dollar drücken werden.

HB DÜSSELDORF. Wer auch immer Recht behalten wird – Importeure und Exporteure sind von starken Ausschlägen an den Devisenmärkten gleichermaßen betroffen. So auch in der Hydraulik- und Pneumatikbranche. Immerhin trägt nach Schätzungen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) jedes dritte Fluidtechnik- Produkt im Welthandel das Qualitätssiegel „Made in Germany“. Mehr als 50 Prozent des Umsatzes von4,6 Milliarden Euro jährlich erzielen deutsche Unternehmen mit Kunden außerhalb der Bundesrepublik.

Der Wechselkurs, ausgedrückt in Dollar je Euro, ist das Fieberthermometer der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage. Die starken Schwankungen stellen für Anleger und vor allem auch für Unternehmer ein gravierendes Problem dar. Gerade in turbulenten Zeiten ist eine Absicherung gegen Schwankungen der Devisenkurse unvermeidbar, um Gewinne aus Auslandstransaktionen nicht durch Kursverluste zu schmälern. Bereits noch so geringfügige Veränderungen können die Betriebsergebnisse bei einzelnen Firmen stark beeinflussen.

Für Sicherheit sorgen

Der exportstarke deutsche Mittelstand etwa sorgt sich vor allem bei einem starken Euro, der die Umsatzzahlen auf den Dollar-Märkten einbrechen lässt. Doch auch die deutschen Importeure sind betroffen, wenn starke Schwankungen die Devisenmärkte prägen. Zum Beispiel, wenn die ausländischen Konkurrenten ihre Produkte plötzlich viel günstiger in Deutschland anbieten können. „Unternehmer sollten auf jeden Fall die Wechselspiele an den weltweiten Devisenmärkten in ihre Einnahmen- und Ausgabenplanungen einkalkulieren“, sagt Herbert Umlauf, Experte für Zins- und Währungsmanagement im Bereich Firmenkunden bei der WGZ Bank in Düsseldorf.

Zum Beispiel mit dem Angebot der Banken. Die Kreditinstitute bieten Unternehmen viele unterschiedliche Angebote zur Kursabsicherung. So kann die Geschäftsleitung für verbindlicheWechselkurse sorgen, und sie verschafft sich Klarheit in der Kalkulation.

„Schon Beträge ab 25 000 Euro können zum Beispiel mit so genannten Finanztermingeschäften gegen Wechselkursschwankungen abgesichert werden“, erklärt Frank Spölgen, Währungsmanagement- Experte bei der Sparkasse KölnBonn. In diesem Jahr haben Firmenkunden mit dem Institut bereits Währungsrisiken im Volumen von insgesamt rund 280 Millionen Euroüber unterschiedliche Formen kursgesichert.

Die gängigste Form der Wechselkurssicherung stellt ein Devisentermingeschäft dar. Dabei erwirbt die Firmabei ihrer Bank das Recht, an einem bestimmten Tag in der Zukunft zum Beispiel US-Dollar zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen – und zwar zu einem bereits heute fixierten Wechselkurs.

Die Banken bieten derzeit auch mittelständischen Unternehmen zahlreiche Varianten des Devisentermingeschäfts an. Beispielsweise mit Laufzeitoptionen von maximal bis zu 90 Tagen – für Abschlüsse also, bei denen das genaue Datum der jeweiligen Zahlung noch nicht bekannt ist.

Oder ein Devisentermingeschäft mit Chance, das im folgenden Beispiel näher beschrieben ist: Ein deutscher Importeur möchte eine in sechs Monaten fällige Verbindlichkeit in US-Dollar absichern (Absicherungskurs 1,2250 USD/ EUR) und gleichzeitig im Rahmen einer vereinbarten prozentualen Beteiligung (in der Regel 50 Prozent) von einem Kursanstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar profitieren. Erst am Verfallstag ein halbes Jahr nach Abschluss des Absicherungsgeschäfts entscheidet sich, zu welchem Kurs das Unternehmen die US-Dollar tatsächlich kaufen wird.

Am Fälligkeitstag wird zunächst zum vereinbarten Absicherungskurs umgerechnet. Sollte dann der aktuelle Kassakurs über dem Absicherungsniveau (etwa 1,2450 USD/EUR) liegen, wird dem Kunden diese Differenz in Höhe seines Partizipationsgrades (also 50 Prozent) separat ausgeschüttet.

„Wenn im Unternehmen Kassa und Devisentermingeschäfte mit Fremdwährungen an der Tagesordnung sind und es um Beträge über 100 000 Euro geht, raten wir auch zu Optionsgeschäften“, erklärt Experte Spölgen. Hierbei sichert sich die Firma gegen negative Kursentwicklungen ab, hat aber gleichzeitig die Möglichkeit, von einer positiven Währungsveränderung zu profitieren. Im Fokus der Sparkasse KölnBonn stehen dabei weniger standardisierte Optionsscheine als vielmehr individuell gestaltete Absicherungsstrategien, die mit komplexen, jedoch auch sehr lukrativen Chance und Risikostrukturen einhergehen können. „Bei solchen Währungsstrategien sollten die Unternehmenüber einen fundierten Marktüberblick verfügen und ihre Risikoneigung genau kennen“, rät Währungsexperte Spölgen.

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