Robotik
Rationalisierung mit menschlichem Antlitz bleibt Vision

Humanoide Roboter sind unter Forschern ein viel diskutiertes Thema – Einsätze in Unternehmen und im Alltag erscheinen den Experten vorerst aber noch unrealistisch: Bislang sind solche Roboter allenfalls für die Bühne geeignet.

AUGSBURG. Matthias Hackel, Geschäftsführer von Mabotic in Leverkusen hat einen neuen Freund: SAM. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger H10 kann SAM mit den Augen rollen, seinen Kopf bewegen und gestikulieren. Der humanoide Roboter, den der Gründer eines Unternehmens für Steuerungs- und Automatisierungstechnik zusammen mit der Uni Bielefeld entwickelt hat, kann durch eingebaute Fire-Wire Kameras sogar Objekte anvisieren. Das Entwickeln von Roboter-Prototypen sei aber eher bezahltes Hobby als Beruf, sagt Hackel, dessen Hauptgeschäft eigentlich die Digitalisierung von Bauteilen ist.

Ein regelrechter Markt für Roboter mit menschlichen Zügen und Fähigkeiten existiert in Deutschland noch nicht. Doch mittelständische Unternehmen beobachten die Forschung an den menschenähnlichen Maschinen genau. Denn in Zukunft könnten die Ergebnisse aus der Robotik-Forschung auch Industrieroboter oder Alltagssysteme intelligenter machen. „Bei vielen Unternehmern wird die Robotertechnologie als wichtiges Zukunftsthema wahrgenommen“, bestätigt Jochen Steil, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Kognition und Robotik der Uni Bielefeld (CoR-Lab).

Ergebnisse aus der Forschung an menschenähnlichen Robotern könnten sich schließlich auch auf andere Technologien übertragen lassen. Deshalb geht Steil davon aus, dass in fünf bis zehn Jahren Alltagsgeräte wie Navigatoren oder Bewegungsmelder intelligente Erkennungsmechanismen besitzen. Mit feinen Sensoren könnte ein Bewegungsmelder dann zum Beispiel einen Menschen von einem vorbeilaufenden Hund unterscheiden. Oder das Navigationsgerät könnte die genervte Stimme eines Autofahrers erkennen.

„Menschenähnliche Roboter sind dagegen vorerst reines Forschungsthema“, ergänzt Tamim Asfour, Projektleiter des Sonderforschungsbereichs Humanoide Roboter, der seit 2001 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. 40 Forscher der Uni Karlsruhe, des Fraunhofer Instituts für Informations- und Datenarbeit sowie verschiedener Forschungszentren arbeiten hier an der Weiterentwicklung von Robotertechnologien. Ziel der Forschungsarbeit: Einen Roboter mit menschlichen Fähigkeiten für den Alltag entwickeln. Asfour selbst rechnet fest mit einer Service-Revolution durch die Blechkollegen: „In ein paar Jahren werden humanoide Serviceroboter den Weg in unseren Alltag finden, so wie es das Internet in den letzten Jahren getan hat.“

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