Rohstoffboom
Down Under obenauf

Australien rüstet sich für den nächsten Rohstoffboom. Investitionen in die Infrastruktur sind zwingend erforderlich, auch wegen des erwarteten Bevölkerungswachstums. Die hohe Kaufkraft macht das Land für Investoren zusätzlich interessant.
  • 0

SYDNEY. Dem fünften Kontinent geht es blendend. Ambitionierte Konjunkturprogramme der Regierung wendeten die drohende Rezession ab, beendeten allerdings auch die lange Zeit der Haushaltsüberschüsse. Das Wirtschaftsjahr 2009/10 (1. Juli bis 30. Juni) wird mit einem Loch in der Staatskasse von etwa 57 Milliarden Australischen Dollar ($A) - rund 36 Milliarden Euro - abschließen. Das mag im internationalen Vergleich wenig sein. Den Politikern in Canberra ist die ungewohnte Verschuldung allerdings ein Dorn im Auge. Durch Sparen wollen sie bereits bis 2012/13 wieder einen Überschuss erwirtschaften.

In Privathaushalten ist Verschuldung hingegen nicht unüblich. Der Hauskauf gehört für eine junge Familie beinah zum Pflichtprogramm und wird staatlich gefördert. Daher finden Zeitungsartikel über etwaige Leitzinsänderungen der Reserve Bank of Australia viel Aufmerksamkeit. Die Kaufkraft der Konsumenten kann sich dennoch sehen lassen. Davon profitiert beispielsweise die deutsche Supermarktkette Aldi, die, unbeeindruckt von der Konzentration auf dem Lebensmittelmarkt vor Ort, expandiert.

Australien werde aufgrund seiner Einwohnerzahl von etwa 22,4 Millionen - das sind nur 2,9 Einwohner pro Quadratkilometer - oft unterschätzt, konstatieren Marktforscher. Neben der Kaufkraft müsse jedoch der rekordverdächtige Bevölkerungszuwachs berücksichtigt werden. Der sei mit 2,0 Prozent sogar höher als in Indien (1,4 Prozent). Das australische Statistik-amt registriert im Durchschnitt alle 107 Sekunden ein Neugeborenes. Fast genauso oft, nämlich knapp alle zwei Minuten, erhält ein Immigrant seine Aufenthaltsgenehmigung. Noch bleibt der Arbeitsmarkt entspannt, und keiner beschwert sich, wenn im Zugabteil auf dem Weg ins Büro zunehmend Chinesisch gesprochen wird.

Die zentrale Ressource der Australier bleiben ihre Rohstoffvorkommen. Nach dem Ende der globalen Finanzkrise wartet der fünfte Kontinent auf eine Wiederholung des Rohstoffbooms, der in besonderem Maße von der Wirtschaftsentwicklung in China abhängt. Für die Exportschlager Kohle und Eisenerz - sie machten 2009 zusammen rund 35 Prozent der Gesamtausfuhr aus - bleibt das Reich der Mitte der bedeutendste Markt. Allerdings rückt Indien als Abnehmer immer stärker in den Vordergrund. Die wachsende internationale Rohstoffnachfrage sorgt auch dafür, dass wieder Kapital für Großprojekte zur Verfügung steht. Dadurch können Lieferanten von Bergbaumaschinen lukrative Geschäfte machen.

In Zukunft dürfte Flüssiggas (Liquefied Natural Gas) im Rohstoffsektor entscheidende Impulse setzen. So soll beispielsweise das-bislang größte australische Rohstoffprojekt, eine Flüssiggasanlage in Gorgon (Barrow Island, Western Australia), ab 2014 jährlich 15 Millionen Tonnen Flüssiggas liefern. Dafür ist eine Investitionssumme von 50 Milliarden $A vorgesehen. Chevron ist zu 50 Prozent, Exxon sowie Shell jeweils zu 25 Prozent an dem Projekt beteiligt. Zahlreiche weitere Vorhaben sind geplant.

Seite 1:

Down Under obenauf

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Rohstoffboom: Down Under obenauf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%