Rohstoffengpass
Materialkosten machen Federnherstellern zu schaffen

Rekordpreise für Stahl und Strom machen deutschen Federnherstellern zu schaffen. Sie können keinen beliebigen Stahl in ihre Maschinen spannen, sondern sind auf elastische Stahllegierungen angewiesen. Doch die Kostensteigerungen an ihre Kunden weiterzugeben, tun sie sich schwer.

KÖLN. Was Globalisierung bedeutet, kann Frank Ritter von der Bischoff GmbH an den Rechnungen seiner Rohstofflieferanten ablesen. Anfang 2005 musste der Staßfurter Federnhersteller pro Tonne Stahl plötzlich über hundert Euro drauflegen, rund 20 Prozent mehr als zuvor. Der Grund: Im Vorjahr hatte China den internationalen Stahl- und Schrottmarkt leer gekauft. „Damit hätten wir im Leben nicht gerechnet“, sagt Verkaufsleiter Ritter. Der Rohstoffengpass macht deutschen Federnherstellern zu schaffen. Sie können keinen beliebigen Stahl in ihre Maschinen spannen, sondern sind auf elastische Stahllegierungen angewiesen, mit Zink, Kupfer oder Chrom.

Inzwischen verlangen viele Walzwerke neben Schrottzuschlägen auch gesalzene Legierungszuschläge, die erst am Tag der Lieferung festgelegt werden. Weil nur wenige Walzwerke in Europa Feder-Stähle produzieren, sind die Federnhersteller von deren Lieferungen abhängig – und von ihren Preisen.

In der Branche, in der Rohstoff bis zu 50 Prozent der Fertigungskosten ausmacht, führt der Ressourcenengpass schnell zum Problem. Besonders die Hersteller von schweren, großen Federn, die als Brückendämpfer oder in Schienenfahrzeugen zum Einsatz kommen, müssen neu kalkulieren. Einsparpotentiale am Material gibt es kaum, die Rohlinge werden bereits in der passenden Länge geliefert und komplett zur Feder weiter verarbeitet. „Wir müssen die Kosten an den Markt weitergeben“, sagt Frank Awolin vom westfälischen Federnprozenten Grueber.

Doch die Federnhersteller tun sich schwer, bei ihren Kunden Verständnis für die gestiegenen Rohmaterialpreise zu erzielen, erklärt Ulrike Czieslik vom Verband der Deutschen Federn –Industrie. Die Abnehmer beharren auf niedrigen Preisen – oder kaufen gleich in Billiglohnländern.

Grueber ist derzeit der größte Federlieferant für die Schienenfahrzeugindustrie. Monatlich verarbeiten 170 Mitarbeiter 600 Tonnen Stahl. Trotz gestiegener Preise sind seine Kunden bisher nicht abgesprungen. „Die Einsicht wächst, dass es sich um ein weltweites Problem handelt“, so Frank Awolin.

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