Rohstoffpreise
In schwindelnden Höhen

Die Rohstoffpreise schießen nach oben. Ob Maschinenbauer, Besteckmacher oder Wäschehersteller - alle leiden unter den Preissteigerungen für Baumwolle, Nickel oder Silber. die Befürchtung ist groß, dass der Anstieg ins Grenzenlose geht. Für die Unternehmen wird der Umgang mit dem Preisrisiko zum Balanceakt.
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Das Jahr lief gut an, sehr gut sogar. Die Kunden bestellten erst reichlich Ware für das laufende Geschäft. Die Läger hatten sie im Katastrophenjahr 2009 leergeräumt. Dann - als das Vertrauen nach einigen Monaten wieder da war - füllten sie zusätzlich ihre Vorräte auf. Auch die Kunden der Kunden machten es so. Für Hans-Henning Junk, Geschäftsführer der Kartonagenfabrik Köhlerpappen, bewahrheite sich in diesem Jahr der Satz: Die Hausse treibt die Hausse.

Der Pappenhersteller mit rund 100 Mitarbeitern aus dem idyllischen Schwarzwald-Städtchen Gengenbach beliefert Hersteller von Büro-Ordnern, Buchbinder und Möbelbauer. Auch die Puzzleteile des Spieleherstellers Ravensburg stammen aus Gengenbach. "Den Einbruch von 2009 gleichen wir in diesem Jahr wieder aus", sagt der Urenkel des Firmengründers. Doch dann bekennt er ohne Umschweife: "Wir werden rote Zahlen schreiben."

Schuld an dem Misserfolg im Erfolg sind die Altpapierpreise. Zahlte Junk im Dezember vergangenen Jahres noch 50 Euro pro Tonne, standen die Preise im Juli bei 120 Euro. Mehr als 90 Prozent des Materials seiner Pappen stammen aus Altpapier. Noch vor 20 Monaten lag der Preis unter zehn Euro pro Tonne. Unternehmer Junk, seit 1986 an der Spitze des Familienbetriebes, kann sich nicht erinnern, solche Preisausschläge vorher je erlebt zu haben.

Nicht nur Junk schlägt sich mit steigenden Rohstoffpreisen herum. Ob Maschinenbauer, Besteckmacher oder Wäsche-hersteller - alle leiden unter den Preissteigerungen für Rohmaterialien und Vorprodukte wie Baumwolle (plus 50 Prozent), Nickel (fast 50 Prozent seit Jahresanfang) oder Silber (knapp 40 Prozent seit Jahresanfang). Und fast alle befürchten, dass es nach oben langfristig keine Grenze gibt. "Der ganz große Preisschub kommt noch - nicht zuletzt wegen der wachsenden Nachfrage aus Ländern wie China oder Indien", sagt der Beschaffungsexperte und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Kloepfel, Duran Sarikaya.

insolvenz Droht Bis jetzt haben sich die meisten Mittelständler durchlaviert und die gen Himmel schießenden Preise still leidend hingenommen. Doch manche - wie der schwäbische Papiermacher Scheufelen, die oberfränkische Brauerei Bürgerbräu Naila, die mit einer immensen Erhöhung des Braumalzpreises kämpfte, oder die Riedenburger Pappenfabrik - gingen wegen des Rohstoffbooms vorübergehend idie Insolvenz. Oder sie mussten wie die Bremerhavener Schichau Seebeck Werft, die wegen der Stahlpreise in Zahlungsschwierigkeiten geriet, ganz aufgeben.

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  • So viele Rechtschreibfehler habe ich noch nieeeeeee gesehen....

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