Rückzug
Osteuropa will mehr als billig sein

Während Großkonzerne ihre Handelsbeziehungen zum Einkaufsmarkt Osteuropa ausbauen, ziehen sich die ersten Mittelständler bereits aus den noch jungen Einkaufsmärkten zurück. Denn seit dem Beitritt Osteuropas zur EU ziehen die Lieferantenpreise an.

KÖLN. Noch vor ein paar Jahren fingen Manfred Hornungs Augen an zu leuchten, wenn er über Osteuropa sprach. Dem geschäftsführenden Gesellschafter der Ho Oberflächentechnik-Tec GmbH & Co.KG aus Gaggenau erschienen die Länder des ehemaligen Ostblocks als attraktive Lieferanten für seinen kleinen Betrieb, waren doch Lohn-und Arbeitskosten deutlich niedriger als bei deutschen Anbietern. Hornung investierte, er baute ein Netz aus Lieferanten in Osteuropa auf. Doch nach dem Beitritt zur Europäischen Union wandelte sich der Umgang mit dem Mittelständler: Hornung bekam keine guten Angebote mehr, sollte im Schnitt zehn bis dreißig Prozent mehr zahlen als bei deutschen und westeuropäischen Lieferanten. "Wir haben deshalb vergangenes Jahr beschlossen, nicht mehr in Osteuropa einzukaufen", sagt Hornung. Er schließt in diesen Wochen seine Niederlassung in Ungarn, über die er bislang den Einkauf auch in Tschechien, der Slowakei, Bulgarien und Rumänien abgewickelt hatte.

Während Großkonzerne ihre Handelsbeziehungen zum Einkaufsmarkt Osteuropa ausbauen und kleinere Unternehmen über ein Engagement dort nachdenken, ziehen sich die ersten Mittelständler bereits aus den noch jungen Einkaufsmärkten zurück. Wichtigster Grund: Die Unternehmen dort setzen zunehmend auf qualitativ höherwertige Produkte und wollen nicht mehr allein über den Preis konkurrieren. In Tschechien zum Beispiel hat die tschechisch-deutsche Handelskammer, eine entsprechende Fokusverschiebung der Lieferanten festgestellt: "Tschechien ist nicht mehr nur die verlängerte Werkbank westlicher Unternehmen für einfache und kostengünstige Produkte", sagt Mirjam Schwan, stellvertretende Geschäftsführerin der AHK Tschechien. Die osteuropäischen Unternehmen reagieren damit auch auf geänderte Rahmenbedingungen in ihrer Heimat. Denn aufgrund von zunehmenden Vorschriften im Bereich des Arbeits- und Umweltschutzes sind die Produktionskosten dort zuletzt immer weiter angestiegen.

Das weiß auch Michael Zirm, Einkaufsleiter bei der Heidelberger Druckmaschinen AG. Die kauft bereits seit zehn Jahren in Polen, Tschechien, der Slowakei, Slowenien und Ungarn ein. Dem Druckmaschinen-Hersteller kommt es dabei nicht nur auf günstige Preise an, sondern auch auf die Qualität der Lieferanten: "Uns geht es um eine langfristige Bindung zu den Firmen", sagt Zirm. Im Zuge des EU-Beitritts wollten auch seine Lieferanten an der Preisschraube drehenen. Doch Zirm hatte gute Gegenargumente: "Wir hatten keine signifikanten Preissteigerungen - was natürlich auch an der Größe des Unternehmens liegt", erklärt der Einkaufsleiter.

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