Russland
Starke Wirtschaft zieht Investoren an

Die deutschen Unternehmen lassen sich von den politischen Winkelzügen des Kremlherrn Wladimir Putin kaum beeindrucken. Der Strom der zumeist mittelständischen Investoren nach Russland ist nahezu ungebrochen.

tom MOSKAU. „Die Stimmung ist gut, das tägliche Geschäft läuft normal“, sagt Michael Harms vom DIHK in Moskau. Einer der Gründe, warum sich die Firmen so unbeeindruckt zeigen, liegt auf der Hand: „Der Mittelstand stößt mit seinen Investitionen nicht in politische Größenordnungen vor“, sagt Harms.

So sehr Experten inzwischen an einem reibungslosen Machttransfer in Russland zweifeln – die guten wirtschaftlichen Rahmendaten überdecken mögliche politische Risiken. In diesem Jahr wächst die Wirtschaft um rund sieben Prozent. Eine der Triebfedern für die seit sieben Jahren anhaltenden Zuwächse ist der Weltbank zufolge die steigende Produktivität. Sie legte zwischen 1999 und 2005 jährlich um 5,8 Prozent zu, weil sich die russische Wirtschaft mehr und mehr in Richtung Dienstleistungen entwickle und Arbeitskräfte aus dem einfachen produzierenden Gewerbe in neue Sektoren abwanderten. Das lässt sich auch am Realeinkommen pro Kopf ablesen: Es hat sich zwischen 1999 und 2006 verdoppelt. Diese Entwicklung reizt nicht nur deutsche Firmen. Insgesamt werden die ausländischen Direktinvestitionen in Russland in diesem Jahr auf rund 50 Milliarden Dollar steigen.

Zu den Boombranchen zählt DIHK-Russland-Chef Harms die deutschen Autozulieferer. In dieser Woche eröffnete Volkswagen sein neues Werk in Kaluga, gut drei Stunden Autofahrt von Moskau entfernt. Die deutschen Firmen arbeiten auch mit russischen Autoschraubern zusammen, die unter einem gewaltigen Modernisierungsdruck stehen.

Die strahlende Zuversicht ist aber nur eine Seite der Medaille. Hinter vorgehaltener Hand äußert auch mancher deutsche Wirtschaftsvertreter Zweifel, ob der Putin’sche Kurs Russland tatsächlich auch langfristig Stabilität und Wachstum bringen kann. „Ein Staat, in dem es faktisch kein Korrektiv zur Macht gibt, kann nicht effizient arbeiten“, sagt ein Manager. Ähnliche Sorgen plagen auch russische Großunternehmer: Die Konzentration der Macht auf eine Person sei gefährlich, heißt es.

Außerdem gibt es am wirtschaftlichen Horizont auch erste Schatten. Die Weltbank hebt vor allem den steigenden Inflationsdruck hervor, der auf der russischen Wirtschaft lastet. Das Finanzministerium in Moskau erwartet für das kommende Jahr eine Inflationsrate von 11,5 Prozent. Das Wirtschaftsministerium erwartet, dass sich der Handelsüberschuss bis zum Jahr 2010 in ein Defizit verwandeln wird. Da die Reallöhne doppelt so stark gestiegen sind wie die Produktivität, bereiten viele Unternehmen jetzt Entlassungen vor.

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